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Kleine historische Schriften
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König Victor AmadeuS' H.

lienische Politik verfolgte, zeigte sich das Geschick in dem Maßehold, daß diejenige italienische Dynastie, deren Ehrgeiz dieHerrschaft von den Alpen bis an den Tiber auszudehnenstrebte, die der Visconti, zu seiner Zeit endete und das Her-zogthum Mailand, bisher ein schlimmer Nachbar, nun selbernicht außerhalb des Bereichs seiner eignen Vergrößerungs-pläne lag, wie es drei Jahrhunderte später nochmals vorge-kommen ist, bis in einem vierten die lange schwankenden Ge-schicke sich erfüllten.

Dieser Herrscher war Amadeus, als Graf von Savoyender Achte, als Herzog der Erste, welcher das von einer Neben-linie seines Hauses, den Fürsten von Achaia regierte Fürsten-thum Piemont mit seinen Erbstaaten vereinigte und zur Be-deutung des nunmehrigen Gesammtstaates den Grund legte,wobei ihm zu statten kam, daß die neuen Beherrscher Mai-lands, die Sforza, nicht zu der Macht gelangten, welche dieVisconti gehabt hatten, während Venedig seinen Festland-besitzungen ein gutes Stück lombardischen Bodens hinzufügte.Nach ihm aber zeigte es sich klar, wie gefährdet dieser Ge-sammtstaat immer noch blieb, und wie talentvolle und ener-gische Herrscher ihm noththaten, wenn er nicht im Wettstreitder Hauptmächte in Trümmer gehn oder erdrückt werden sollte.Denn während Frankreich stets an Ausdehnung und Einflußzugenommen hatte, war der größte Theil Italiens, unmittel-bar oder mittelbar, Spanien tributär geworden, und dieNebenbuhlerschaft Beider zog die kleineren Nachbaren ins Ver-derben. Der Sieg bei St. Quentin und der zu Cateau Cam-bresis zwischen Heinrich II. und Philipp II. geschlossene Friedegaben im April 1559 dem Herzoge Emanuel Philibert seinedreiundzwanzig Jahre lang von den Franzosen besetzten Erb-staaten wieder, und mit ihm beginnt die neuere Geschichte der-selben, wo nach so langer Fremdherrschaft und nach mehrenderselben vorausgegangenen schwachen Regierungen säst allesumzuschaffen war. Emanuel Philibert hatte eine zu ernsteSchule durchgemacht, um nicht innegeworden zu sein, daß, wennsein Staat auch von politischen Conjuncturen abhängig war>