Thronentsagung und Ende. 159
die sich seinem directen Einfluß entzogen, er ihm durch festeGestaltung im Innern, durch geregelte Finanzverwaltung undJustizpflege, wie durch ein geordnetes Militärwesen, zu welchemer den ebenso zahlreichen wie karg begüterten Adel heranzog,eigene Kraft geben und Ansehen verschaffen konnte. Dies hater mit Consequenz und Energie gethan, und in den zwei De-cennien, welche ihm nach der Rückgabe seiner Länder vergönntwaren, hat er den Frieden genutzt, um inmitten der beiden großenNachbaren, von denen er sehr wohl wußte, wie abgeneigt sieihm im Herzen waren, so große Dienste er auch dem einenerwiesen hatte, einen Staat zu gründen, der nach beiden Seitenhin Front zu machen im Stande war. Auf dem St. Carls-Platz der Hauptstadt Turin steht Emanuel Philiberts groß-artiges und charaktervolles Reiterstandbild. Der Sieger vonSt. Quentin steckt das Schwert in die Scheide, mit dem erfür Spanien aber zugleich für das eigne Land gekämpft, inseiner Erscheinung noch ein Held der Ritterzeit, aber der Mannder modernen Staatskunst, der die zersplitterten oder brach-liegenden Kräfte nicht ohne Gewalt noch Eigenmacht, aber be-lebend zusammenzufassen und auf ein sicheres Ziel hinzulenkenverstanden hat.
Die fünfzigjährige Regierung seines ruhelosen NachfolgersCarl Emanuel I. hat den Staat in große Gefahren ge-stürzt, aus denen er nicht immer ungeschädigt hervorge-gangen ist, während sie den Charakter der Zweideutigkeitund Unzuverlässigkeit an sich trug, der auch in Zeiten, wo diegroße Politik mehr als gewöhnlich daran krankte, der Dy-nastie und ihrer Haltung vorzugsweise eigen geblieben ist.Unter ihm, der einen ansehnlichen französisch redenden Theilseines Staates abtrat, um sich italienischen Erwerb, die Mark-grafschaft Saluzzo zu sichern und den Franzosen den Alpenzugangzu erschweren, ist der italienische Charakter dieses Staates ent-schieden hervorgetreten. Auf Carl Emanuel, der ein halbesJahrhundert lang die ganze Nachbarschaft in Athem erhalten,mit Heinrich IV. gerungen und pactirt, nach der Kaiserkronegestrebt hatte, oft besiegt nie unterlegen war und den unter