142
Messandra Strozzi.
sich angewiesen. Im Verlauf der Jahre klagte sie immermehr über ihr Unvermögen. „Habe Geduld beim Lesen", sagtsie am Schlüsse eines verschiedene Seiten umfassenden Briefesvom Januar 1466 an Filippo, „denn ich bin lang im Schreiben."Als der Wunsch ihres Herzens erfüllt, die Vaterstadt denSöhnen wieder zugänglich, der ältere verheiratet war, legte siedie Hände nicht in den Schooß. Denn die Bankgeschäfte hieltenFilippo noch viel in Neapel, und wir sahen, wie sie das Haus-wesen leitete und für die geliebte Schwiegertochter und dieEnkel sorgte. „Ich werde das Mögliche thun", schrieb sie imMai 1469 an Filippo, als es sich um die Bewirthung einerBekannten handelte, „und es wäre mir keine Belästigung nochMühe, könnte ich selber nur mehr thun als ich zu thun ver-mag. Ich bin gegenwärtig nicht so wohl wie im vorigenWinter, wo ich wiederaufzuleben schien; es war nicht vonDauer und ich blieb leidend bis zur Charwoche; dann nachOstern nahm ich Arznei, aber sie brachte nur halbe Wirkunghervor. Ich bin eben alt, und wenn ich wohler zu werdenglaube, kommt das Gegentheil, und so wird's weiter gehn bisich meine Schuld abtrage. Wenn ich Dir also nicht so oftwie ehemals geschrieben habe, so kam dies daher, daß ich michnicht wohl fühlte. Dann habe ich doch auch zu schassen. DieFiammetta kam in Wochen, und der Besuche sind viele, undauf mir ruht Alles. Und hätte ich keine andere Beschäftigungals mit Alfonso, so würde sie genügen. Dies geschieht jedochmit Freuden. Immer ist er hinter mir drein wie das Küch-lein hinter der Bruthenne. So ist es mir unmöglich, oft zuschreiben; die Fiammetta wird Dich entschädigen." Jnderthatsind wenige Briefe aus den letzten Jahren vorhanden, dochmanche sind ohne Zweifel verlorengegangen, wie auch die derjungen Frau bis auf einen fehlen. In einem der letzten er-zählt die Großmutter von dem kindlichen Geplauder desEnkelchens.
In Florenz hatten unterdessen die Gemüther sich beruhigt,nachdem der im April 1468 mit Venedig geschlossene Friededie zwei Jahre früher aus der Schilderhebung der Nebenbuhler