94 Alessandra Strozzi.
und Chigi wetteiferten miteinander. Die Strozzi haben sichihnen zugesellt.
Die Ungunst der Lage im Königreich Neapel wirkte selbst-verständlich auf alle Geschäfte zurück. Seit dem am 27. Juni1458 erfolgten Tode König Alfons' war diese Lage die bedenk-lichste. Die alte, immer zahlreich und mächtig gebliebene An-jou'sche Partei fand Succurs bei den persönlichen Gegnern desThronfolgers, des natürlichen Sohnes des Verstorbenen, DonFerrante, welchem dieser das von ihm eroberte Neapel alsErbe hinterlassen hatte, während die Erbstaaten des Aragoni-schen Hauses dem Bruder Alfonso's zufielen. Ein Zwie-spalt, um so bedrohlicher, da er sich bis in die Herrscherfamilieerstreckte, die mit dem Testament des letzten Königs nicht ein-verstanden war. Der alte Rein! von Anjou-Provence, welcherden neapolitanischen Königstitel führte, und sein Sohn Jean dersich Herzog von Calabrien nannte, säumten auch um so wenigerauf die Erbietungen der alten und neuen Gegner der Aragoneseneinzugehn, da Papst Calixt III., der Oberlehnsherr, gegendiese feindselig gesinnt war. So entbrannte alsbald der Kampf,dem nicht dadurch gesteuert ward, daß Calixtus' NachfolgerPapst Pius II. und der Herzog von Mailand sich entschiedengegen die französischen Pläne erklärten, Venedig und Florenzneutral blieben. „Du wirst vernommen haben", schrieb Ales-sandra am 18. December 1459 ihrem jüngern Sohne, „wiedie französische Flotte im Golf von Neapel erschien, sich jedochder Küste nicht nähern konnte, weil vom Land aus die Bom-barden sie bedrohten. Da sie nun einige Tage in der Näheblieb, begann es ihr an Lebensmitteln zu fehlen. Dann kamGiovanni Coscia ans Land, da wo die Besitzungen des Fürstenvon Rossano (Marino Marzano, Ferrante's Schwager, jetztaber sein erklärter Gegner) liegen, und es wurde eine Heiratabgeschlossen, indem gedachter Fürst dem Sohne des Herzogsvon Calabrien, Sohn König Renö's und Gouverneur vonGenua, eine seiner Töchter zur Ehe gab. Als so die Be-sitzungen der Fürsten von Tarent (Giovan Antonio Orsini)und von Rossano den Feinden offenstanden, brach an mehren