Eine flormtimsche Edelfrau im 15. Jahrhundert. 71
Ein Courier war den Reisenden bei Barcelona begegnet, aberweitere Nachrichten fehlten. Niccolö hatte geschrieben, ohneseiner zu erwähnen. Sie wollte ihm vorstellen, falls derKnabe ihm nicht gefalle, möge er ihn zurücksenden, nichtaber zu Andern geben. „Gott lasse mir erwünschte Kundevon ihm zugehen. Ich kann zuzeiten den Gedanken nicht er-tragen, daß ich ihn von mir gelassen habe." Dann aberkamen Briefe und Nachrichten in Fülle. Sie meldeten auch,Niccolö beabsichtige Barcelona dauernd mit Neapel zu ver-tauschen und Matteo mit sich zu nehmen. Man kann sichvorstellen wie lieb es der Mutter war, sie dachte ihn wolauch wieder bei sich zu behalten. Unterdessen empfahl sie ihnwiederholt dem Altern, von dem sie wol gehört haben mochte,daß er mit seinen Gehilfen, wie einst mit seinem Bruder Lo-renzo, etwas rauh umging. Er solle den Knaben, wenn erihn unter seiner Aussicht habe, sanft behandeln, ihn nichtschlagen noch stoßen. Auch solle er dafür sorgen, daß er sichreinlich halte; noch sei er so jung, daß man deß Acht habenmüsse. „Hat er sich seit seinem Weggehn nicht verschlimmert,so weiß ich, daß sein Wesen Dir gefallen wird. Er war freund-lich und gutgeartet, und Alle hatten ihn lieb. Gott wollemich Freude an ihm erleben lassen."
Manche Briese erwähnen Matteo's, obgleich gerade in dernun folgenden Zeit eine bedeutende Lücke in der Correspondenzsich findet. Der Wunsch der Mutter, ihn unter Obhut desältern Bruders zu wissen, ging in Erfüllung. Niccolö nahmihn bei der Rückkehr aus Spanien mit nach Rom, wo er längereZeit verweilte, dann brachte er ihn nach Neapel. „Daß Nic-colö und Matteo glücklich dort angelangt sind", schrieb Ales-sandra am 10. April 1451 an Filippo, „freut mich sehr.Ich kann Dir nicht sagen, in welchem Trübsinn ich die zweiMonate verbracht habe, während ich ohne Nachricht von ihnenblieb und immer fürchtete, irgendein Seesturm habe ihnen übelmitgespielt. Immer srug ich Antonio Strozzi und Marco obsie Kunde erhalten hätten, aber sie antworteten Nein. Erstjetzt habe ich vernommen, daß sie in großer Gefahr geschwebt