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Kleine historische Schriften
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Alessandra Strozzi.

der Zahl, zu Gevattern. Alessandra wäre in diesem Jahregerne nach Rom gegangen, des Jubiläums-Ablasses theilhast zuwerden. Der höchst ungünstigen Gesundheitszustände wegenrieth man ihr jedoch von allen Seiten ab sich dahin zu begeben.Allerdings war es in der Hauptstadt der Christenheit weitschlimmer als anderswo, infolge der dort zusammenströmendenPilgerschaaren. Miau weiß, daß Papst Nicolaus V. den Va-tikan verließ und sich nach Umbrien und den Marken begab,um den gefährlichen Einflüssen zu entgehn. Verweilte er dochlängere Zeit zu Fabricmo in fast vollständiger ängstlicher Ab-sperrung von der Außenwelt, ein Aufenthalt, welcher dem bau-lichen Zustande des stillen Städtchens zugute gekommen ist.

Die durch die Seuche angerichteten Verheerungen warengroß.Mehre Todesfälle", schrieb Alessandra am 5. Juni,haben wahren Schrecken geweckt, denn es sind darunter manchePersonen höherer Stände. Namentlich aber herrscht das Sterbenunter den Fremden, die nach Rom ziehen und von dort heim-kehren. Man wird sich nicht aus die Villen zurückziehen können,denn fast in der ganzen Landschaft fordert die Krankheit Opfer,besonders in unserer Ebne, wie denn von Peretola bis Pratoaller Orten Fälle Vorkommen; in Quaracchi hört man nochnichts, aber in Campi setzt's argen Lärm ab. Vor fünf Jahrenverpachtete ich meinen Hof an einen tüchtigen wohlhabendenBauer. Die Familie bestand aus siebzehn Personen, vondenen zwölf todt sind; ein Mann und vier Frauen sind alleinübrig. Und hiemit ist's nicht zu Ende, denn noch sind Krankeim Hause. Die Zahl der Todesfälle ist so groß, daß dieHäuser leer stehn, die Felder brach liegen. Auch mir wärees so gegangen, hätten nicht Verwandte des Pächters sich er-boten die Ernte zu besorgen und die Arbeit für kommendesJahr zu verrichten. Ich würde sonst niemand gefunden habenhinzugehn, so groß ist die Angst. Gott wolle ein Einsehenhaben mit unfern Nöthen." So schlimm waren die Zustände.

Der ferne Liebling kam währenddessen der Mutter nichtaus den Gedanken. Zu Anfang Juni drückte sie Filippo ihreBesorgnis aus. Seit März hatte sie keinen Brief von Matteo.