Eine florentinische Edelfrau im 15. Jahrhundert. 61
strativen Angelegenheiten, die sich mit dem Geschäftsbetrieb,auch dem kleinen, vertrug, während, wie die Politik so dieLiteratur sich mit der bescheidenen Thätigkeit am Ladentischverbunden zeigte.
Am 4. August 1447 hatte in der kleinen, heute nicht mehrbestehenden Kirche Sta Maria sopra Porta, nach welcher diegewöhnlich Mercato nuovo genannte Straße Por Sta Mariaheißt, die Verlobung stattgefunden, worauf am 13. Januar1448 die Heirat, und am 14. die Heimsührung folgte. DieHochzeit scheint, in Betracht der Umstände, glänzend gewesenzu sein. Die Nachrichten und Rechnungen über den Hochzeit-schmaus, der über 480 Lire, nämlich über hundert Guldenkostete, wie über Schmucksachen und Kleidungsstücke, welche derjunge Ehemann der Angetrauten schenkte, und die mit ge-wohnter Ausführlichkeit verzeichnet werden, zeigen, daß Ales-sandra nicht Unrecht hatte, wenn sie mit den äußern Verhält-nissen zufrieden war, während Marco Parenti's tüchtige Eigen-schaften ihr für das Glück der Tochter Gewähr leisteten. Eswar eine reiche Ausstattung an Gewändern, Leib- und Haus-Wäsche, Schmucksachen und Hausgeräth, zum Theil mit denWappen beider Familien geschmückt. Eigentümlich ist die großeMenge Pfauenfederaugen, für die mit Silber, Perlen, Email-blumen gezierten Guirlanden zum Kopfputz, ohne welche nichtFrau noch Mädchen sein konnte. Die Verfertigung derselbenbildete ein besonderes Kunsthandwerk, das bekanntlich einemZweige der Familie Corradi-Bigordi den Namen Ghirlandajogab, unter welchem sie in der Kunstgeschichte bekannt ist, sounrichtig immer die Angabe Vasari's sein mag, wonach derVater des berühmten Domenico der Erfinder dieses wenigstensein Jahrhundert früher üblichen Schmuckes gewesen sein soll.An Kunstsachen war in der Wohnung des jungen Paares keinMangel. Maestro Domenico Veneziano, ein Maler der in dendreißiger Jahren des 15. Jahrhunderts von Perugia nach Flo-renz kam, wo er seine spätere Lebenszeit zubrachte, lieferte dieBilder und Zierraten zweier hölzerner Truhen, welche mitSpiegel und Vergoldung fünfzig Gulden kosteten, und erst im