52
Messandra Strozzi.
so auffallender ist.) „Ich kann Euch versichern, ich war schlimmzugerichtet. Als das Übel vorüber war, nöthigten sie mich zuessen; ich hätte noch drei Tage lang nichts angerührt und warwie ohnmächtig. Allmählich kam ich mit Gottes Beistandwieder zu mir.
„Die Leute (d. h. die Frauen) gehen hier gekleidet wieIhr sie auf den gewirkten Teppichen abgebildet seht, aber ohneden Haarwulst aus dem Kopfe. Alte wie junge tragen überdem Haar ein seidenes Netz, welches sie mit einem einfachenSchleier bedecken, nicht wie Ihr das Kopftuch traget, sondernan den Seiten gebauscht, so daß es Flügeln ähnelt was ganzhübsch aussieht. Sie tragen keine Röcke von Seide, sondernvon Wollentuch, mit herabhängenden Ärmeln und mit fünfEllen langen Schleppen, welche zuhause auf den Arm genom-men und getragen werden. Nie sähet Ihr so schöne Frauen;in meinem ganzen Leben, glaub' ich, werde ich nicht wieder soschöne zu Gesichte bekommen. Wenn ich es Euch sage, könntIhr mir's glauben. Ich trage Schuhe mit Schleifen an denSeiten und drei Finger langen Spitzen, ohne den Fußtheildes Strumpfes, was sehr gut läßt.
„Noch melde ich Euch, daß man hier Spinat, Rüben undalles Gemüse nach dem Gewicht verkauft. Merkt Euch das.Ich besorge die Einkäufe fürs Haus nun schon seit vierzehnTagen. Es geht viel Geld darauf, aber ich schaffe gute Ware.Ich rede ein Gemisch von Italienisch und Catalanisch, so daßsie mich verstehen und ich sie, Gott sei Dank. Für Niccolökaufe ich nur Kapaune, ein paar des Tags, einen zum Früh-stück. Er ist so stark geworden, daß er sich kaum bewegenkann; ein paar Tage war er unwohl, ist aber wieder her-gestellt. Ich bin durch Gottes Gnade wohl und gesund. VonBarcelona hierher bin ich zweihundert Millien Weges gerittenund es hat mir nicht geschadet. Wir gehen um die fünfteStunde der Nacht zu Bette und stehen um sieben auf nach hie-siger Tageszeit, was uns wenig mehr als drei Stunden Schlafsläßt. Merkt Euch das. Ich bin vom Schreiben ganz müde.Den ganzen Tag über sitze ich in der Schreibstube und kopire