Eine florentinische Edelfrau im 15. Jahrhundert. 53
ein Dutzend Briefe. Ich schreibe so rasch, daß Ihr Euch wun-dern würdet, rascher als irgendeiner im Hause. Es ist nöthigso: Gott wolle mir gewähren, daß es so bleibe. GrüßetMona Ginevra meinerseits und die anderen Nachbarinnen.Meldet mir, wann die Caterina heiratet; Gott bestimme ihreinen guten Ehemann. Sendet mir eine Zifferschrift, denndie meinige ist mir abhanden gekommen. Weiteres habe ichnicht zu sagen. Christ habe Euch in seiner Obhut. VonEurem Lorenzo Matteo's Sohn zu Valencia."
So bescheiden waren die Verhältnisse, unter denen diejungen Leute aufwuchsen, deren Familien in Heimat und FremdePaläste und Kapellen errichteten, Gelehrte und Künstler beschäf-tigten und unterstützten, Florenz zu dem machten, was es fürdie Welt geworden ist. So früh wurden sie in die Fremdehinausgesandt, nicht ohne Gefahren mancher Art. Denn dasHauswesen dieser Handelsleute, welche ohne Frau und Kindnicht selten ein Wanderleben führten, Messen bezogen, anmehren Orten zugleich Banken und Waarenlager hatten, warkeineswegs immer geregelt, und nicht allen Jünglingen wurdees so gut wie den Strozzi, welche zu Verwandten kamen.Selbst diese hatten jedoch nicht immer bei diesen Verwandtennachahmungswerthe Beispiele vor Augen, und Lorenzo, welchervierzehnjährig seiner Mutter die naive Versicherung giebt, siekönne ihm glauben, wenn er von der Schönheit der Spanie-rinnen spricht, scheint solchen Einflüssen und Eindrücken nurzu offen gestanden zu sein. Aber die jungen Leute wurden zuthätigem Leben angehalten, lernten von England und Flan-dern, Portugal und Spanien an bis tief in den Orienthinein unter mancherlei Mühseligkeiten, Entbehrungen undGefahren Welt und Menschen kennen, und liebten die Heimatnur mehr, nachdem sie ferne Regionen durchwandert und Ge-legenheit gehabt, die Verschiedenheit von Ländern und Leutenzu erproben. Lorenzo Strozzi's Brief, der auf ergötzlicheWeise alles Mögliche bunt durcheinander wirft, zeigt zurGenüge, daß es den jungen Leuten nicht immer leicht gemachtwurde. Aber frischer Sinn und Jugend überwogen, und die