Druckschrift 
Kleine historische Schriften
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

Eine florentinische Edelfrau im 15. Jahrhundert. 49

schäftigung, Lehre, Ausbildung der Kinder geleitet wurde. Eswird uns klar, wie man zugleich für Körper und Geist sorgte,wie so frühe als möglich darauf geachtet wurde, daß die Söhnezur Thätigkeit angehalten, in allen Leibesübungen gewandt, fürdie Pflichten ihres Berufs tüchtig gebildet, im Umgänge gegenjedermann leutselig, ihren Vorgesetzten gehorsam, in Allemmäßig, Zuneigung und Vertrauen erwarben ein Feind,sagte der weltkluge Mann, kann mehr schaden als vier Freundenützen. Wie wir sahen, waren gleich der Mehrzahl der Fa-milien des höhern Bürgerstandes die Strozzi vorzugsweise aufden Handel angewiesen, und so wurden die Knaben von vorn-herein für diesen Stand herangebildet. Mehr als von an-deren Unterrichtsgegenständen ist bei ihnen vom Rechnen, demAbbaco, die Rede, und sie wurden dazu angehalten, eine schöneHand zu schreiben. Die Arithmetik, sagte Giovanni Rucellai,ist für das jugendliche Alter auch dadurch von Belang, daßsie den Geist übt und zur Untersuchung schwieriger Dinge be-fähigt. Die Söhne eines in den Wissenschaften erfahrenenMannes wie Matteo Strozzi, sind keine Gelehrten geworden;auch in Filippo's späterer Zeit deutet nichts daraus hin, daßer die wahrscheinlich infolge der ungünstigen Vermögensverhält-nisse der Mutter in der Jugend vernachlässigte literarische Bil-dung nachmals zu erlangen bemüht gewesen sei. Als seinzweiter Sohn Lorenzo das Leben des Vaters schrieb, von dessenjugendlichen Erlebnissen er sich indeß wenig unterrichtet zeigt,bemerkte er, die Mutter habe ihn im Rechnen tüchtig unter-richten lassen, und ihn dann bei Matteo Brandolini, einemvertrauten Freunde ihres verstorbenen Mannes, der ein Hausin Palermo hatte, in die Lehre gegeben. Am 7. März 1441verließ der noch nicht Dreizehnjährige das mütterliche Haus,fünf Jahre später folgte ihm sein Bruder Lorenzo. DieJünglinge, die dem harten Gesetz des Exils verfielen, das denVater betroffen hatte, gingen in die Fremde, aber sie hattendas Glück, unter die Obhut theilnehmender Verwandten zukommen.

Dreie der Strozzi, mit Matteo Bruderssöhne, Niccolö,

v. Reumont, Kl. hist. Schriften. 4