Eine florentinische Edelfrau im 15. Jahrhundert. 43
schlüpfte ihm dennoch — er wollte „sie nicht vor Augenhaben".
Der Name der Strozzi ist von der Geschichte der Staats-umwälzung von 1434 unzertrennlich. Wo sie dann in spätenZeiten in intime Beziehungen zu den Medici gekommen sind,ist es meist zu ihrem Unglück gewesen.
Mit Frau und sechs Kindern, deren ältestes nicht übersieben Jahre zählte, ging Matteo Strozzi am 12. November1434 in die Verbannung. Sein Exilsort war Pesaro. SechsTage später ließ er sich hier durch einen Notar bescheinigen,daß er sich gestellt habe, und sandte das Zeugnis nach Florenz.So wollte es das Gesetz, welches den Ausgewiesenen strengeanhiclt, an dem ihm zum Aufenthalt bestimmten Orte (Jonüno)zu bleiben, und die Unterlassung jener Förmlichkeit, oder aberunbefugten Ortswechsel (romxoro il eontins) mit Rebellions-erklärung und Gütereinziehung ahndete. Das Vikariat vonPesaro, an der Grenze zwischen Romagna und Marken, wareines der Territorien, welche unter päpstlicher Oberhoheit derweitverzweigten Familie der Malatesta von Berrucchio gehörten,die sich in den späteren Zeiten des 13. Jahrhunderts in Ri-mini festgesetzt und unter vielfachen nicht selten blutigen Ge-schickes- und Parteiwechseln ihre Herrschaft über manche Städteder Romagna ausgedehnt hatte. Herr von Pesaro war damalsGaleotto Malatesta, Neffe jenes Carlo, welcher, ein bessererVerwalter und Diplomat als Kriegsmann, sich als treuerAnhänger Papst Gregors XII. bekannt gemacht hat, für dener, wie schon berichtet worden ist, aus dem Constanzer Concildie Entsagung auf die höchste Würde der Christenheit leistete,die zur Wiederherstellung der kirchlichen Einheit nach dem ver-hängnisvollen Schisma des Abendlandes nicht wenig beitrug.Galeotto war es, der ohne männliche Nachkommen, und vollBesorgnis, seinen kleinen Staat noch bei seinen Lebzeiten vondem Ehrgeiz seines Vetters Sigismondo, des so talent- wieränkevollen Herrn von Rimini, verschlungen zu sehen, imJahre 1444 Pesaro an Francesco Sforza verkaufte, der esseinem Bruder Alessandro abtrat, welcher Costanza da Varano,