Eine florentinische Edelfrau im 15. Jahrhundert.
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auf dem Mercato nuovo gegeben. Auf das Erscheinen derFrauen in der Öffentlichkeit wurde streng geachtet. JungeMädchen gingen nicht ohne Mütter und Matronen aus, jungeFrauen gleichfalls nur in Gesellschaft älterer, eine löblicheSitte, welcher man in den späteren Decennien des Jahrhundertsuntreu ward, indem Dienerinnen die Matronen vertraten.
Bis zu diesen späten Decennien des 15. Jahrhunderts sinddie florentinischen Frauen vom Geiste der Renaissance kaumberührt worden. Eine Zeitgenossin Petrarca's und Boccaccio's,welcher letzterer sein Buch „Os elaris rmiliorilins" widmete,Madonna Andrem« Acciaiuoli Gräfin von Altavilla, kann selbstkaum als Ausnahme genannt werden. Denn durch den Brudernach Neapel gezogen, wo er zu höchster Würde und größtemEinfluß emporstieg, gehört sie ganz diesem Lande und derCultur des Anjouschen Hofes au. Die Erziehung war meisteine häusliche; die Klostererziehung für anderes als klösterlichesLeben gehört wesentlich späteren Zeiten an. Wie das BeispielBartolommea's degli Alberti gezeigt hat, war sie von Schrankenumschlossen, welche ältere Sitte aufgerichtet hatte. „Erzieheteure Töchter zu Gottes Ehre und gemäß den Vorschriftenfrommen und gesitteten Lebens", sagte ein schlichter aber er-fahrener Mann dessen noch wiederholt gedacht werden wird,der Buchhändler Vespasiano da Bisticci, den Müttern, indem erihnen die Schilderungen trefflicher Landsmänninnen als Mustervorhielt. Gebet ihnen weder die Hundert Novellen in dieHand, noch Boccaccio's Bücher, noch Petrarca's Sonette, welche,mögen sie noch so züchtig sein, dennoch nicht für reine Ge-müther passen, die nur Gott und ihre Ehemänner lieben sollen.Lasset sie Erbauungsschriften lesen, Lebensbeschreibungen derHeiligen und Geschichtsbücher, auf daß sie Leben und Ver-halten regeln lernen und sich dem Ernste statt dem Leichtsinnzuwenden."
Die zweite Hälfte des Jahrhunderts zeigt uns allerdingsin Lucrezia Tornabuoni, der Mutter Lorenzo's il Magnificoeine Frau, deren freiere Geistesrichtung ebenso wie ihre äußerenLebensverhältnisse die gewohnten Schranken durchbrach. Wir