Eine florentimsche Edelfrau im 15. Jahrhundert. 23
und man muß es weit mehr in Neapel und Palermo, woGlanz neben Elend hauste, und vielleicht in Mailand suchen,als in dem republikanischen, vielbeschäftigten und vielgeprüftenFlorenz des 14. Jahrhunderts, wo schon die Lokalität dem-selben nicht günstig, der Raum äußerst beschränkt, die Haus-einrichtung die einfachste war, nur die Villa, welche allerdingsden Zusammenkünften häufig zum Schauplatz angewiesen wird,denselben genügenden Spielraum bot.
Auch im 15. Jahrhundert, welches hier Leben und Sittegründlich umgestaltete, sind in seinem längeren Verlauf nichtviele Frauen aus den häuslichen und bürgerlichen Kreisen her-vorgetreten, bevor fremde Einflüsse sich geltend machten, undin der Stadt, in welcher das Bürgertum gesicherte Herrschafterrungen zu haben schien, das Fürstentum seine Erbschaft an-trat. Ein Fürstentum, welches hier eine so exotische Pflanzewar, daß noch längere Zeit hindurch eigentümliche, von allenHöfen verschiedene, aber in den heimischen Zuständen begründeteFormen bestehen blieben, ja der toscanische Principal sich einesdadurch bedingten gemischten Wesens nie völlig entäußert hat.An Gelegenheiten mit fremdem Fürstenleben Bekanntschaft zumachen, hatte es doch nicht gefehlt. Im 14. Jahrhundertwar es der Hof des neapolitanischen Kronprinzen Carl vonAnjou, der hier nur zu lange hauste und weder den Finanzennoch den Sitten genutzt hat. Die Herrschaft des Herzogs vonAthen, die mit dem neapolitanischen Protektorat zusammenhing,wurde abgeschüttelt, bevor sie ihre schlimmen moralischen Ein-flüsse recht zu entwickeln Zeit hatte. Das folgende Jahrhundertbrachte wiederholte aber kürzere Berührungen, und wenn indessen späteren Zeiten der Besuch des Herzogs von Mailand,Galeazzo Maria Sforza, den unverständigen Luxus eines inSinnenrausch verlorenen jungen Herrschers an den Tag legte,so barg schon das Übermaß ein Gegengift. Das mit demUrsprung der neuen Aristokratie verwachsene Bürgertum undder Bürgersinn haben solche Zähigkeit gehabt, daß eine ver-mittelnde Temperanz auch weit später und unter sehr ver-änderten Umständen nicht geschwunden ist.