II.
Häusliches Leben in den letzten mittelalterlichen Zeiten.
Der Mann, der solche Vorschriften ertheilte, die Frau, anwelche sie sich richteten, waren Kinder des 14 . Jahrhunderts,jenes Jahrhunderts, mit dem in Italien das Mittelalter imeigentlichen Sinne zu Ende ging, und auf dessen Scheiden dieTendenzen, welche wir die der Renaissance nennen, bereits einenbemerklichen Wiederschein warfen. Die ersten Decennien desbesagten Zeitraumes hatten die heroische Epoche beschlossen, undnamentlich in Toscana war mit dem Emporkommen des Bürger-tums, das den Kampf mit dem alten Adel bis zu dessen Ver-nichtung durchführte, ein Geist zum Durchbruch gelangt, dersich mit den mittelalterlichen Staatsmaximen nicht vertrug undallmälich auch das Leben umgestaltete. Die Metamorphosevollzog sich langsam. Die häuslichen Kreise, so verschieden sienicht von jenen, deren Verschwinden der Dichter der GöttlichenKomödie beklagte, sondern von denen seiner Tage sein mochten,blieben lange noch enge umgrenzt, ja in Florenz und in anderenStädten des Landes ist ihnen immer eine gewisse Beschränkunggeblieben. Man würde sich täuschen, wenn man die Schilde-rungen des Gesellschastslebens bei den Novellisten, wie sie sichseit dem Dekameron mit solcher Farbenpracht wiederholen undzum Theil älter als das Dekameron sind, oder die nicht minderglänzenden Bilder in berühmten Fresken zu sehr verallgemeinernwollte. Dies Gesellschaftsleben hat sich wesentlich an den Höfender Fürsten und in den Palästen der großen Herren bewegt,