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Schlußbetrachtungen.
So ist die Hauptursache, die den für Venedig ungünstigen Ausgang desKrieges herbeigeführt hat, die ungenügende Ausnutzung der überlegenen See-gewalt gewesen.
Es kann nicht Wunder nehmen, wenn die Republik sich dem großenTürkischen Reiche zu Lande auf die Dauer nicht gewachsen zeigte; daß sie esaber auch nicht oerstanden hat, diesen Mangel durch Unternehmungsgeist aufdem Elemente, auf dem sie entschieden im Vortheil war, wieder auszugleichen,das hing wohl mit dem allgemeinen Niedergange ihres ganzen Staatswesenszusammen. Venedig war nicht mehr die kühn vordringende Macht, die sichden größten Theil des östlichen Mittelmeers mit seinen reichen Inseln undKüstenländern unterworfen hatte. Es hatte vielmehr seinen Höhepunkt längstüberschritten, es war gesättigt und vertheidigte nur noch lässig den ererbtenBesitz. So mußte es unterliegen, sobald es mit einer kräftig vorwärts-strebenden Macht, wie damals die Türkei noch war, in Streit gerieth.Im Leben der Völker hat nur der Staat das Recht und die Möglichkeit desBestehens, der es versteht dies Recht dadurch zu schützen, daß er einen Theilseiner Kraft in Macht verwandelt. Für ein Volk, das an die See grenztund aus dem Verkehr auf ihr einen großen Theil seines Unterhalts und seinesReichthums zieht, bedeutet das auch Seegewalt, d. h. die Beherrschung derMeereswege und Sicherung seiner friedlichen Unternehmungen in fernenLändern. Solange es Geschichte giebt, ist die Macht solcher Nationen ge-stiegen und gefallen mit ihrer Mächtigkeit zur See. Und der Verfall der See-macht ist dabei nicht etwa nur eine Begleiterscheinung oder eine Folge desNiederganges des Staats, sondern er ist häufig der Ausgangspunkt dafür.Mit der Vernachlässigung der Kriegsflotte oder, was gleichbedeutend ist, mitdem Schwinden des kühnen seemännischen Geistes tauchen überall die An-griffspunkte auf, an denen die feindliche Kraft einsetzen kann. Die außerhalbder eigenen Grenzen geschaffenen Stützpunkte und Hülfsquellen, die Kolonienund Handelsmärkte, gehen verloren und stärken den siegreichen Gegner. Sowird der Staat aus der ehemals herrschenden Stellung zum Sklaven desSiegers.
Auch die Geschichte Venedigs, in der die fast 25jährigen Kämpfe umCandia einen der wichtigsten Abschnitte bilden, hat die Wahrheit des Wortsdargethan: Reichsgewalt bedeutet Seegewalt, und Seegewalt und Reichs-gewalt bedingen sich gegenseitig so, daß die eine ohne die andere nicht be-stehen kann.