Schlußbetrachtungen.
211
der feindlichen Häfen das Meer frei für den der Republik so nothwendigenHandel. Die Venezianer hatten auch ein ganz richtiges Gefühl, als sie imAnfänge des Krieges versuchten, die Entscheidung vor den Dardanellen herbei-zuführen. Wie unangenehm den Türken diese Blockade war, zeigen ihre groß-artigen trotz aller Mißerfolge immer erneuten Anstrengungen, sie zu durch-brechen. Außer der genügenden schwimmenden Streitmacht reichte zurAufrcchterhaltung dieser Blockade der Besitz eines nicht zu weit entferntenStützpunktes aus, der den Schiffen Ruhe und die nöthigen Vorräthe bot,und von wo aus sie früh genug auf dem Platze sein konnten, wenn die Vor-posten das Herannahen der Türkischen Flotte meldeten. Unter günstigenUmständen hätte auch ein Vorstoß nach Konstantinopel den Krieg auf Jahrehinaus beeinflußt. Ein solcher durfte allerdings nicht die demonstrative Be-schießung der stark befestigten Stadt sondern mußte die Vernichtung der dortliegenden feindlichen Flotte zum Ziele haben. Mit der dauernden AbschließungKonstantinopels hätten die Venezianer jedenfalls den Haupteinschiffungspunktder Türken verstopft und mit verhältnißmäßig schwachen Kräften die unregel-mäßigen Zufuhren aus den anderen Häfen des Aegäischen Meeres hindernkönnen. Wenn sie sich aber im weiteren Verlauf des Krieges zur Blockadefür zu schwach hielten, so konnten sie wenigstens durch die Absperrung derKüste der Insel Candia die Türkischen Zufuhren abzuschließen suchen.
Aber auch das haben sie unterlassen, und erst im Jahre 1668 faßteFrancesco Morosini die Venezianischen und verbündeten Geschwader zu einereinheitlichen Unternehmung in diesem Sinne zusammen. Wir finden ihn imSommer des genannten Jahres mit einer starken Flotte in der Sudabay undbei San Teodoro, um den Türken vor Allem den wichtigsten Hafen Caneazu verschließen. Auch die Päpstliche und Maltesische Hülfsflotte wußte er zugleichem Zwecke dort festzuhalten. Solange dies geschah, ist thatsächlich keineinziges Türkisches Schiss an der Nordküste der Insel gelandet. Aber derMangel an Truppen in der belagerten Hauptstadt veranlaßt, wie wir wissen,den Generalkapitän bereits im August, den größten Theil der verbündetenFlotte nach Candia zu führen, um die Besatzung der Schiffe auf den Wällender Festung zu verwenden. Von diesem Augenblick an ist die Absperrung derInsel bis zum Ende des Krieges nicht mehr ernstlich durchgeführt worden.Auch Morosini hat, entsprechend den Anschauungen seiner Zeit, der Festungals solcher einen zu großen Werth beigelegt und nicht erkannt, daß den be-drängten Vertheidigern nur noch außerhalb der Wälle zu helfen war, indemman die Verbindungen der Belagerer zu Lande und zu Wasser unterbrach.Gerade das letzte Jahr des Krieges hätte hierfür noch einmal eine günstigeGelegenheit geboten. Mehr als 60 Schiffe der christlichen Mächte lagen da-mals thatenlos auf der Rhede von Candia. Doch auch jetzt verhinderten dieUneinigkeit der Führer und die widerstreitenden Interessen der Koalition einesachgemäße Verwendung der vorhandenen Kräfte.