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Schlußbetrachtungen.
die Türkischen Hauptausschiffungsplätze hätte beobachten können, so wäre viel-leicht hier und dort einem einzelnen oder auch mehreren feindlichen Schiffeneine Landung auf der Insel geglückt; ein Heer aber, das zu längerer kräftigerThätigkeit fähig gewesen wäre, hätten die Türken sicher nicht übersetzen undleistungsfähig erhalten können. Ein beredtes Beispiel hierfür bietet die anKühnheit ihres Gleichen suchende Unternehmung Bonapartes nach Aegypten1798. Durch eine Verkettung günstiger Umstände war es ihm zwar gelungen,auf 400 Segelschiffen ein großes Heer sieggewohnter Veteranen nach Aegyptenzu werfen. Als aber durch die Schlacht von Abukir die Verbindung mit demMutterlande vernichtet war, war auch das Schicksal des Heeres besiegelt,dessen Reste 1801 auf Englischen Schiffen den Boden des Vaterlandes wiedererreichten. Die Beherrschung der See, bewußt und folgerichtig ausgenutzt,hätte also auch den Venezianern die Gewähr geboten, daß die Angriffe selbsteiner stärkeren Landmacht über See hinaus zurückgewiesen worden wären.
Wir haben gesehen, daß die Venezianer weder die geeigneten Flottennoch die vollkommene Einsicht in den Werth der Seeherrschaft besaßen, umden Gegner gänzlich von der Benutzung der Meeresstraßen auszuschließen.Sie waren wie alle Seefahrer der damaligen Zeit gewohnt, schon früh imHerbst einen Hafen aufzusnchen und dort unthätig zu überwintern. DiesenUmstand wußten die Türken auszubeuten, indem sie den Spätherbst undWinter zum Transport ihrer Truppen und Kriegsmittel aus den nahegelegenenHäfen benutzten. Namentlich in den letzten Jahren des Krieges scheint derVerkehr mit dem vor Candia lagernden Heere zeitweise ganz ungestört gebliebenzu sein. Und doch ist es klar, daß die Venezianer damit die einzige Mög-lichkeit, Candia zu halten, aus der Hand gaben. Wir müssen uns deshalbfragen, ob sich nicht mehr hätte erreichen lassen. Es gab zwei Wege, um dieTürkischen Zufuhren vom Kriegsschauplätze fernzuhalten, nämlich die Blockadeder Ausgangshäfen oder die unmittelbare Absperrung der Insel selbst. Wennman die Vor- und Nachtheile dieser beiden Wege erwägt, so ist zu bedenken,daß bei dem bekannten Ziel aller Transporte die Absperrung der Nordküsteallerdings eine sichere Gewähr bot, den Gegner nicht zu verfehlen, und eswahrscheinlich erlaubte, mit geringeren Machtmitteln auszukommen. Indessenwaren die Türken in der Wahl eines Ausschiffungshafens durchaus nicht sounbeschränkt, wie es den Anschein haben könnte. Die mangelhaften Verkehrs-wege machten es nur an wenigen großen Plätzen möglich, größere Truppen-massen zu versammeln und mit den nöthigen Vorräthen zu versehen. DieVorbereitungen zu solchen Unternehmungen konnten bei einiger Aufmerksamkeitder Beobachtung nicht entgehen und so rechtzeitig erkannt werden, daß dieFlotte sogar von anderen Punkten noch hätte herangeholt werden können. Undselbst wenn glückliche Zufälligkeiten wirklich einmal ein Durchkommen desGegners ermöglichten, hatte eine Verfolgung immer noch große Aussichtenauf Erfolg, da das Ziel bekannt war und die feindlichen Schiffe noch einenweiten Weg dorthin zurückzulegen hatten. Außerdem blieb bei der Blockade