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Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
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Schlußbetrachtungen.

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Die Venezianer haben es also nicht verstanden, aus ihrer Überlegenheitzur See durch unmittelbares Zusammenwirken der Flotte mit den LandtruppenNutzen zu ziehen.

Prüfen wir nun die Frage, wie weit ihnen das durch selbständigeUnternehmungen gelungen ist. Ohne Zweifel ist, wenn sich ein Kampf zuLande in vom Mutterlands entfernt liegenden Gebieten abspielt, derjenigeStaat im Vortheil, der die Verbindungslinien dorthin, d. h. die Meeresstraßen,beherrscht. Er vermag dann seine eigenen Kriegsmittel jederzeit ungehindertauf den Kriegsschauplatz zu schaffen, dem Feinde aber das Gleiche zu ver-wehren. In einem solchen Falle würde also, rein theoretisch genommen, dieSeegewalt an und für sich schon entscheidend für den Ausgang des Kriegessein, da der zur See schwächere oder ohnmächtige Gegner bald aus Mangelan Kräften nachgeben müßte. Das Alles trifft aber nur dann vollständig zu,wenn zwei Voraussetzungen erfüllt werden. Zunächst darf der Schauplatz desKampfes nicht ein bloßer Nebenschauplatz sondern er muß der wichtigste oderder einzige sein. Im andern Falle wird eine Entscheidung, die auf demHauptschauplatz fällt, auch den Streit auf dem minder wichtigen zu Gunstendes Siegers beenden.^') Diese Vorbedingung der Ueberlegenheit war für dieVenezianer im Kriege um Candia vorhanden. Die Insel ist thatsächlich aus-schließlich zugleich Gegenstand und Schauplatz aller Kämpfe zu Lande geblieben,wenn man von einem kurzen Versuch der Republik im Jahre 1645 absieht,den Krieg nach der Halbinsel Morea hinüberzuspielen. Die zweite Voraus-setzung für eine volle Ausnutzung der überlegenen Seegewalt ist die, daß derGegner vom Kriegsschauplatz auch wirklich vollkommen und nicht bloß vor-übergehend oder theilweise abgesperrt werden kann. Sie ist von den Venezianernniemals ganz erfüllt worden. Wenn auch die Venezianische Flotte in allenKämpfen mit den Türken auf offener See Sieger blieb, so hat sie doch nie-mals ihre Seegewalt zur dauernden und konsequenten Absperrung und zurVertreibung des Gegners von der See ausgenutzt. Nach einem vollständigenSeesiege der Venezianer ist es, wie wir wissen, der Hälfte der TürkischenFlotte gelungen, Truppen nach Canea zu bringen, und zwar nicht demoralisirteHaufen sondern tüchtige und tapfere Belagerungsmannschaften; das berechtigtzu dem Schluß, daß selbst soeben errungene taktische Vortheile nicht aus-gebeutet wurden. Noch weniger Energie und Einsicht entwickelte dieVenezianische Flotte in der Blockade der feindlichen Häfen, insbesondere derDardanellen. Freilich hinderte sie auch das ungenügende Material an einerso völligen und entscheidenden Verwerthung der Seeherrschaft. Mit Galeerenkann man nicht durch alle Jahreszeiten hindurch Blockaden aufrecht erhalten.Wenn eine seetüchtige Flotte hochbordiger bewohnbarer Schisse, die ohne steteAnlehnung an nahe Küsten frei zu operiren vermochte, Jahr aus Jahr ein

Das Wort Napoleons I., er würde Pondichery an den Ufern der Weichsel er-obern, hat trotz seiner widerspruchsvollen Form viel Wahres.

KriegSgcschichtliche Einzelschritte». V. (Heft 26.) ?