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' Schlußbstrachtungen.
eines entschiedenen Vorgehens der Venezianer bedurft, um die Rollen um-zutauschen und die Türken in arge Bedrängniß zu bringen. Weit schwierigerwar allerdings ein solcher Versuch von 1667 ab, allein auch da konnteCandia immer noch wirksamer außerhalb seiner Mauern vertheidigt werdenals innerhalb und zwar mit Hülfe der Flotte.
Wir kommen hiermit zu dem wichtigsten und lehrreichsten Punkte unsererBetrachtungen: der Einwirkung der Seemacht auf den Gang der Ereignissebei Candia. Die Untersuchung dieser Frage, die uns zugleich über diehauptsächlichsten Ursachen für den unglücklichen Ausgang des ganzen KriegesAufschluß gewähren wird, erfordert zunächst die Klarlegung einiger Gesichts-punkte von allgemeiner Bedeutung.
Die reine Seemacht und die reine Landmacht, wenn jede für sich alleinauftritt, haben keine Interessengegensätze, solange die Betheiligung der Land-macht am Welthandel gering ist, und sie im eigenen Lande Hülfsquellen zurErhaltung und zur Befriedigung der Bedürfnisse findet. Die Seemachtmuß dann haltmachen an den Küsten des mächtigen Binnenstaates, währendsie unangreifbar und ungestört die Herrschaft über die See behauptet. Inter-essengegensätze entstehen erst, wenn die Küsten der Landmacht die Seemachtzum Verkehr oder zur Besitzergreifung reizen, oder es der Landmacht zu engin ihren Grenzen wird und sie die Hände nach überseeischem Besitz aus-streckt. Eine solche Landmacht war die Türkei. Ihr Schwerpunkt lag indem großen zusammenhängenden Landgebiet, dessen Hülfsquellen reichlichdem Bedarf genügten und dessen Handel unbedeutend war. Venedig dagegenbeherrschte unumschränkt das östliche Mittelmeer und konnte und mußte alleKräfte daransetzen, jeden Versuch, ihm dort die Seeherrschaft streitig zumachen, im Keime zu ersticken. Es hatte dabei alle Vortheile eines Insel-staates, denn seine geringen Besitzungen in Oberitalien wurden durch Nach-barn kaum behelligt, und diejenigen im Mittelmeer konnten durch die Flotte,solange diese die unbeschränkte Seeherrschaft behauptete, vor jedem Angriffgedeckt werden. Mit einem verhältnißmäßig kleinen Heer, dessen Unterhaltungeinem so reichen Staate keine unerschwinglichen Opfer zumuthete, konnte estrotzdem überall mit Uebermacht auftreten, da es in kürzester Zeit seine ganzeMacht aus einen Punkt zu werfen vermochte.
Die Lage Venedigs hatte in dieser Hinsicht manche Aehnlichkeit mit derKarthagos im Alterthum. Ein verhältnißmäßig kleines Mutterland im Besitzeiner mächtigen seegebietenden Flotte häuft Reichthümer auf Neichthümer durchden Besitz überseeischer Kolonien und den Verkehr mit ihnen. Allein dieseMacht und mit ihr der Reichthum und die Bedeutung des ganzen Staateskönnen nur aufrecht erhalten werden, wenn die See unbeschränkter Besitz derSeemacht bleibt. Gelingt es einer starken Landmacht, die Seeherrschaft, wennauch nur für einige Zeit, an sich zu reißen und ihre erdrückende Uebermachtauf entscheidendem Punkte zur Geltung zu bringen, so wird ein verhältniß-mäßig schwacher Seestaat, der nicht in einem großen Lande mit zahlreicher