Schlußbetrachtungen.
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Türken selbst den ganzen Krieg nur hinhaltend und ohne Nachdruck führten;sobald sie aber vom Jahre 166? ab Ernst machten, mußte es versagen. Zwarvermehrte ja auch die Republik zuletzt ihre Anstrengungen, aber sei es, daßihr die alte Thatkraft und Kampfeslust verloren gegangen war, sei es, daßdie Kräfte wirklich bereits zur Neige gingen, das Mißverhältniß zwischen Ab-sichten und Leistungen blieb auch da bestehen.
Umsomehr ist die Seelengröße desjenigen Mannes zu bewundern, aufdessen Schultern in den letzten Jahren die ganze Mühe und Verantwortungder Vertheidigung Candias lastete, des Generalkapitäns Morosini. Nichtdie schwächliche Unterstützung aus der Heimath, nicht die zweifelhafte Tapfer-keit der Besatzung, auch nicht die unregelmäßige und zögernde Hülfe desAuslandes haben die Festung drei Jahre lang gegen die heftigen Angriffeder Türken gehalten, sondern nur der feste Wille dieses einen Mannes.Seine völlige Hingabe an das übernommene schwierige Amt, die Umsicht, womiter überall Rath schaffte, wenn sich Mängel zeigten, die nie ermüdende That-kraft, mit der er die widerstrebenden Elemente der Vertheidiger zusammenhicltund die Zagenden anfeuerte, werden stets der Bewunderung würdig bleiben.Ist auch seinen Anstrengungen der Erfolg versagt geblieben, so hat Morosinidoch wieder den Beweis dafür geliefert, daß über allen anderen die moralischenFaktoren in der Kriegführung stehen. Diese lebendigsten Kräfte bleiben ebenzu jeder Zeit in gleicher Weise wirksam, weil sich ihr Träger, der Mensch,in seinem innersten Wesen nicht ändert.
Die Leistungen Morosinis sind um so höher zu bewerthen, als ihm diegrößten Schwierigkeiten gerade von denen bereitet wurden, die ihn hättenunterstützen sollen, nämlich von den Vertheidigern selbst. Es ist in derDarstellung der Ereignisse schon darauf hingewiesen worden, wie unzuverlässigsich die Soldtrnppen der Republik Venedig zeigten. Mit wenigen rühmlichenAusnahmen fehlte es ihnen durchaus an Kriegszucht, thaten sie ihren Dienstnur mit Unlust und waren stets bereit, sich der übernommenen Verpflichtungzu entziehen. Auch die Führer niederen Grades unterschieden sich hierinwenig von den Mannschaften. Oft fand der Generalkapitän die wichtigstenPosten in der Festung von den Vertheidigern entblößt; Desertion und Ueber-lauf zum Feinde kamen täglich vor. Den Grund für diese Erscheinunghaben wir schon in dem Umstande kennen gelernt, daß die Republik genöthigtwar, ihre Söldner aus aller Herren Länder zusammenzuholen. Der Venezianerselbst diente nicht im Landheere; was sich aber sonst bereit fand, für einefremde Sache, auf einer fernen Insel, in einem mörderischen Belagerungs-kriege sein Leben aufs Spiel zu setzen, war hergelaufenes Gesindel, das nichtszu verlieren hatte. Von einem lebendigen Pflichtgefühl oder gar von derEntwickelung eines Korpsgeistes konnte daher auch keine Rede sein, vielmehrmachten die Eifersüchteleien zwischen den zusammengewürfelten Nationalitätenden Führern viel zu schaffen. Der Deutsche wollte nicht mit dem Slavonier,der Italiener nicht mit dem Griechen zusammen auf dem Walle stehen, und