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Schlußbetrachtungen.
Laufe der vorangegangenen Darstellung berührt; hier genügt also eine kurzeZusammenfassung.
Candia war eine sehr kleine und sehr schwache Festung. Erbaut zu einerZeit, in der die Vorherrschaft Venedigs im Aegäischen Meere noch nicht durchdie Türken bedroht war, sollte sie mehr gegen räuberische Ueberfälle der un-botmäßigen Inselbewohner als gegen eine regelrechte Belagerung Schutz ge-währen. Im Laufe der Zeit hatte man zwar die ursprünglich einfachebastionirte Umwallung durch allerlei vorgelagerte Deckungswerke zu verstärkenund zu vervollkommnen gesucht, aber nicht immer in zweckmäßiger und vorAllem nicht in einheitlicher Weise. Jede Generation hatte, wo es ihr geradebeliebte, ein Stück hinzugefügt, und so war eine Gesammtanlage entstanden,die zwar an Zahl der Befestigungsglieder nichts zu wünschen übrig ließ, beider aber der Hauptwall schwach und die gegenseitige Unterstützung der ein-zelnen Theile mangelhaft geblieben war. Dieser Uebelstand machte sich inbesonderem Maße dort bemerkbar, wo die Befestigungslinie das Meeresuferberührte. Den Venezianern war wohl nie der Gedanke gekommen, daß ihneneinmal der ungehinderte Zutritt von der See zur Festung verloren gehen
könne. Die ganze Anlage war daher nur auf einen Angriff vom Lande her
berechnet. Man hatte die Meeresfront so gut wie ungeschützt und die amUser liegenden beiden Endbastione am schwächsten gelassen, wohl in der An-nahme, daß ein Gegner diese Werke niemals zum Angriffspunkte wählen würde,weil er sie nicht umfassend angreifen könne, seinerseits aber vom Meere aus
flankirt werde. Diese Annahme erwies sich, wie wir wissen, als irrig. Die
Türken gingen zwar nicht umfassend, desto entschiedener aber frontal vor,und die erhoffte flankirende Wirkung von der See her gegen die feindlichenAngriffs arbeiten versagte völlig.
Zu diesen in der Anlage der Festung begründeten Mängeln, die sichwährend der Belagerung nicht wieder gut machen ließen, kamen nun solche,an denen die Vertheidigung selbst die Schuld trug. Obwohl Venedig eineRepublik von Kaufleuten war, so hat es doch bei dem Kampfe um Candiaden kaufmännischen Grundsatz außer Acht gelassen, daß man, um einen großenGewinn zu erzielen, auch entsprechende Mittel daran setzen müsse. Es wurdewährend des ganzen Krieges von Anfang an mit zu schwachen Kräften ge-arbeitet. Zwar ist die Summe aller aufgewandten Mittel schließlich großgenug gewesen, um den reichen Staat völliger Erschöpfung nahe zu bringen,aber nur, weil diese Opfer 25 Jahre lang gebracht werden mußten. DenKrieg durch eine einzige gewaltige Kraftanstrengung vielleicht mit einemSchlage zu beendigen, dazu vermochte sich Venedig nicht aufzuraffen. Esunterhielt ein langsam glimmendes Feuer, das niemals ganz erlosch, aberauch niemals zu voller Gluth emporloderte. Der Nachschub an Truppen,Schissen, Waffen und sonstigen Kriegsmitteln war immer gerade groß genug,um den Abgang zu ersetzen, zum Herbeiführen einer entscheidenden Wendungaber zu gering. Ein solches Verfahren mochte angängig sein, solange die