Schlußbetrachtungen.
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Arbeiter. Auch die ganze Einwohnerschaft, wenig mehr als 4000 Köpfe,verließ die Heimath") und wurde zum Theil in Venedig selbst zum Theilin Istrien angesiedelt.
Fast drei Jahre hatte die letzte und heftigste Belagerung Candias ge-dauert. Während dieser Zeit waren 69 Stürme der Türken und 80 Aus-fälle der Belagerten erfolgt, 1364 Minensprengungen hatten stattgefunden,29 088 Christen und 108 000 Türken fanden ihr Grab in dem blutgetränktenBoden Candias.
Schlutzbekrachtungen.
Fast ein Vierteljahrhundert lang hatte Venedig unter großen Opfernfür die Erhaltung Candias, dieses letzten und sichersten Stützpunktes seinerHerrschaft im östlichen Mittelmeerbecken, gekämpft. Dennoch war die Festungund mit ihr die Insel verloren gegangen; alle Anstrengungen der mächtigenRepublik und die Betheiligung des christlichen Europas hatten dies Endenicht zu verhindern vermocht. Auf keinen Fall war es allein die Ueberlegen-heit des siegreichen Gegners an Zahl gewesen, die solchen Ausgang herbei-geführt hatte. Denn zu keiner Zeit hat die Zahl den Enderfolg im Kriegeverbürgt; stets wirkten andere und nicht nur materielle Mittel, sondern nochviel mehr sittliche und geistige Kräfte und Einflüsse auf Sieg und Nieder-lage, Gewinn und Verlust einer Schlacht, einer Festung, eines Feldzugesund ganzen Krieges ein. Diese Einflüsse auf ein kriegerisches Ereigniß, selbstwenn es zweihundert Jahre hinter uns liegt, aufzusuchen und sie zu betrachten,vermag auch heut ansprechend und lehrreich zu wirken. Zwar erscheint unsererZeit das Aeußerliche des Kampfes um Candia in fremdartigem Gewände,aber nur leicht verbirgt sich darunter etwas, was unveränderlich bleibt undbleiben wird: das eigentliche Wesen des Krieges. Sitte, Kulturzustand undviele andere Bedingungen ändern die Aeußerungen dieses Wesens im Laufeder Zeiten, dennoch bleiben Grundwahrheiten bestehen, die, weil sie wahrsind, niemals ganz verloren gehen können. Gerade darum vermögen dieBetrachtungen weit zurückliegender kriegerischer Ereignisse einen hohen Reizzu gewähren, weil dabei das ewig Wahre vom Wesen des Krieges aus eineruns ungewohnten Verhüllung plötzlich und siegreich zu Tage tritt, und umso mehr, wenn, wie hier bei Candia, sich Umstände in den Vordergrunddrängen, die —- wie das Zusammenwirken von Heer und Flotte, der Einflußder Streitkräfte zur See auf den Gang des Krieges — in unserer Zeit er-höhte Bedeutung gefunden haben.
Von den Ursachen, die zum Falle Candias führten, sind zunächst dieäußerlichen und örtlichen zu untersuchen. Sie wurden zum Theil schon im
*) Es blieben nur zwei Griechische Geistliche, ein Weib und drei Juden zurück.