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Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
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200 11- Heimkehr der Hülfsflotten und Fall der Festung Candia.

10. Alles was dagegen nach dem Abschluß des Friedens ohne Kenntnißvon dessen Abmachungen etwa noch erobert oder genommen wird, muß zurück-gegeben werden. Ebenso werden den Kaperschiffen die Kaperbriese binnen40 Tagen entzogen.

11. Sklaven und Gefangene werden ausgewechselt, Spionendienste bleibenunbestraft.

12. Die Friedensbedingnngen werden in zwei Exemplaren, das eineItalienisch, das andere Türkisch, ausgefertigt. Das Italienische, von Moro-sini unterschrieben und gesiegelt, erhält der Großvezir, das Türkische, vondiesem unterschrieben und gesiegelt, der Generalkapitän."

Mit diesem Frieden endigte der Krieg um Candia nach einer Dauervon 24 Jahren und 6 Monaten. Die Republik verlor dabei eine Herrschaft,die sie ununterbrochen 409 Jahre lang besessen hatte. Es schien, als ob einbesonderer Unstern dabei gewaltet hätte, denn bald nach der Abreise derHülfsflotten traf jener Brief des Königs Ludwig XIV. ein, worin er seinenStreitkräften aufs Neue befahl, bis Ende November zu bleiben.*) Wäredies geschehen, so hätte man vielleicht Frieden ohne Uebergabe der Festungschließen können. Denn wenn die Türken sich schon unter den jetzigen Um-ständen mit so geringen Vorkheilen begnügten, so müssen auch bei ihnentriftige Gründe für den Friedensschluß Vorgelegen haben. Wahrscheinlichbefürchtete der politische Scharfblick des Großvezirs, auf den die Hartnäckig-keit der Vertheidigung durch die Venezianer tiefen Eindruck gemacht hatte,Candia könne noch einmal die Veranlassung zu einem Kreuzzuge der Christen-heit werden, dem die Pforte nicht gewachsen war.

Die Nachrichten von der Uebergabe Candias und dem Abschluß desFriedens erregten in Venedig große Bestürzung. Doch sah der Senat derRepublik wohl ein, daß man bei der gänzlichen Erschöpfung aller Mittel zurWeiterführung des Krieges nichts Besseres hätte erreichen können. Er be-stätigte daher durch seinen außerordentlichen Gesandten bei der Pforte, LuigiMolino, den Friedensvertrag, und ein Gleiches geschah auch durch den Sultan.

Am 27. September betrat der Großvezir als Erster die eroberte Festung,nachdem kurz zuvor der letzte christliche Soldat, ein Deutscher Offizier, Christophv. Degenfeld, den Boden Candias verlassen hatte.**) Nur 3754 Mannwar zum Schluß die Besatzung stark gewesen einschließlich der Kranken und

*) Vergl. S. 192.

**) In welchen. Zustande die Stadt in die Hände der Türken kam) beschreibt Scheither

folgendermaßen:.Nach dein Uebergang sah die Stadt mehr einem Steinhauffen,

als einer Stadt gleich, denn rings gegen den Wall herumb und sonderlich bey S. Andreaund Sabionera seyend die Häußer meist alle darnieder geschossen, theils auch zur Er-bauung der Traversen, Minen und Abschnitte abgebrochen, theils auch von der schreck-lichen Erbebung und Erschütterung der gesprengten Minen selbsten eingefallen; ist alsonur die innerste oder alte Stadt stehend geblieben, wiewol auch darin kein Hauß zufinden, das nicht etliche mahl ivere Creutziveiß mit den größten Canon-Kugeln durch-boret worden, daher es mehr einem Bethlehem als einem Jerusalem gleich gesehen .. .."