10. Ereignisse bei Candia im Sommer 1669.
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die Franzosen weigerten sich dessen auf das Entschiedenste, indem sie Vorgaben,es sei in Frankreich nicht Brauch, Protokolle über eine solche Verhandlungaufzunehmen.*) So trennten sich denn die Theilnehmer des Kriegsrathes,der über fünf Stunden gedauert hatte. Brancacci begab sich unverzüglich zuRospigliosi zurück und berichtete diesem über den Verlauf der Verhandlungen.Kaum hatte er geendet, so erschien bereits ein Bote mit einem Briefe desHerzogs von Noailles, worin dieser Aufklärungen über sein Verhalten zugeben suchte und dem Generalissimus vorschlug, sobald wie möglich mit ihm,mit Accarigi und dem Grafen von Vivonne auf einem Französischen Schissezusammenzukommen, um sich darüber zu entscheiden, ob überhaupt durch dieHülfskräfte noch etwas zur Rettung Candias geschehen könne. Rospigliosierklärte sich hierzu bereit doch nur unter der Bedingung, daß auch derGeneralkapitän bei der Berathung hinzngezogen werde. Das aber war esgerade, was Noailles vermeiden wollte, weil er hoffte, den Päpstlichen undden Maltesischen Admiral für seine Pläne zu gewinnen, wenn er mit ihnenallein verhandele. Er erwiderte daher, es scheine ihm doch besser, die Unter-redung zu verschieben, bis der Herzog von Mirandola,'*") der mit Ver-stärkungen aus Venedig binnen Kurzem erwartet werde, eingetroffen sei.
So vergingen weitere zehn Tage, ohne daß etwas geschah. Die Flottelag bei der Insel Stantia, die Mehrzahl der Französischen Truppen hieltsich müßig in der Stadt auf und verübte dort allerlei Unfug, während dieTürken mit ihren Laufgräben und Minengängen immer näher rückten. Schonwar der erste Abschnitt bei San Andrea ganz in ihrem Besitz, bei Sabionerawurde die Bresche immer größer, auch drangen sie hier längs des Meeresbis zu den Arsenalen vor und drohten so den Hafen gänzlich abznsperren.Es ließ sich daher mit Bestimmtheit voraussehen, daß ohne entschiedene Hülfedie Festung in kürzester Zeit fallen müsse. Der Eindruck, den dies aus dieganze Besatzung und Bevölkerung hervorbrachte, war äußerst niederschlagend.Die Desertion unter den Venezianischen Truppen nahm in erschreckendemMaße zu, wobei die Franzosen den Ausreißern ans ihren Schiffen Unterkunftgewährt haben sollen. Wenigstens beklagte sich Morosini bitter hierüber beiRospigliosi und fügte hinzu, das Uebelwollen der Franzosen zeige sich auchdarin, daß sie unter dem Vorwand, ihre Kranken und Verwundeten auf dieSchiffe zu bringen, jede Nacht eine große Zahl Gesunder mit sich nähmen,nm so unbemerkt die Französische Garnison allmählich aus der Stadt heraus-zuschaffen.
*) Bei dem Kriegsrath am 10. Juli, auf dem die Beschießung der Türkischen Ver-schanzungen vor San Andrea durch die Flotte beschlossen wurde, hatten sie anstandslosunterschrieben.
Der Herzog von Mirandola stand im Dienste des Papstes und brachte etwa2000 Mann Söldner, die theils von Clemens IX., theils von den Herzögen von Parma,Mantua und Modena der Republik zu Hülfe gesandt waren. Er hatte Venedig bereitsMitte Juli verlassen und befand sich mit seinem Transport am 1. August in Zante.