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10. Ereignisse bei Candia im Sommer 1669.
stellen der Beschießung geben. Da gleichzeitig auf dem Thurm der St. Mar-kuskirche in der Stadt eine blau-weiße Fahne erschien, zum Zeichen daß dieGarnison bereit stehe, den verabredeten Ausfall bei S. Andrea zu machen,so entschloß sich Rospigliosi um so lieber zum Rückzuge, als die Munitionbereits ansing kuapp zn werden, und ein größerer Erfolg doch nicht mehr zuerwarten war.
Aber als es sich nunmehr darum handelte, die Flotte wieder außerSchußweite vom Feinde zu bringen, trat der schwierigste Augenblick der ganzenUnternehmung ein. Die Hochbordschiffe und Galeassen mußten nämlich vonden Galeeren wieder ins Schlepptau genommen und zurückgeführt werden,eine Aufgabe, die durch einen inzwischen aufgekommenen landeinwärts wehendenWind noch sehr erschwert wurde. Die Türken benutzten diese Zeit, währendderen die christliche Flotte kampfunfähig war und sich in einer gewissen Un-ordnung befand, um aus ihren Verstecken hervorzukommen, ihre Geschütze undMusketen auf den wirren Knäuel von Schiffen zu richten und aus allenKräften hinein zn feuern. Erst jetzt erlitt die Flotte ernstliche Verluste,die um so empfindlicher waren, als man die Unvorsichtigkeit begangen hatte,die Beschießung nicht nach und nach, sondern mit einem Mal abzubrechen.Schließlich mußte man froh sein, ohne den Verlust noch eines anderen Fahr-zeuges außer Schußweite der Türkischen Batterien zu gelangen. Still undohne Aufenthalt kehrten alle Schiffe auf ihre alten Plätze zurück.
Ueber die Verluste der christlichen Flotte während der Beschießung sindzuverlässige Nachrichten nur bezüglich der sechs Venezianischen Galeassen undder Französischen Schisse erhalten. Sie betrugen für die ersten: 28 Todteund 56 Verwundete, und für die Franzosen 421 Todte und 219 Ver-wundete. Auch für die meisten übrigen Fahrzeuge dürften sich die Zahlendurchschnittlich nur wenig niedriger stellen. Beträchtlich waren ferner dieBeschädigungen der Schiffe selbst, von denen die meisten einen großen Theilihrer Masten, Raaen, Ruder u. s. w. verloren hatten und fast jedes vonmehreren Vollkugeln oder Granaten getroffen war. Umgekehrt war der that-sächliche Erfolg der ganzen Unternehmung im Verhältniß zu der Größe derangewandten Mittel äußerst gering. Zwar sollten die Türken nach Aussagevon Ueberläufern über 1200 Mann verloren haben, doch ist diese Zahl augen-scheinlich viel zu hoch gegriffen. Die Werke selbst und die Türkischen Ge-schütze hatten jedenfalls so gut wie gar nicht gelitten, vielmehr sollen dieGeschosse der christlichen Flotte fast alle zu hoch gegangen sein. Noch schlimmeraber war der Umstand, daß auch der moralische Eindruck der ganzen Unter-nehmung weit mehr zu Gunsten der Türken als der Christen sprach. Aufder zahlreichen und Wohl gerüsteten Flotte hatte die größte und letzte Hoff-nung der Vertheidiger Candias beruht. Jetzt war die einzige Unternehmung,zu der man sie gegenüber den Türkischen Belagerern verwenden konnte
*) Hierin sind die mit der „Therese" untergegangenen 286 Mann enthalten.