10. Ereignisse bei Candia im Sommer 1669.
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zwang. Sie zogen ihre Geschütze hinter die Brustwehren zurück, legten sichin ihren tiefen Laufgräben gedeckt auf die Erde nieder und ließen die Kanonadeüber sich ergehen. Nur eine stärkere Kavallerieabtheilung ritt hinter den An-höhen zwischen dem Lager am Flusse Gioffiro und den Verschanzungen vorSan Andrea hin und her, offenbar zu dem Zweck, um einem Landungsver-such der christlichen Flotte rasch entgegentreten zu können. In der Stadt da-gegen athmete Alles auf, denn zum ersten Mal seit langer Zeit schwieg auchdas Türkische Feuer gegen die Festungswerke gänzlich, kein Türkenkopf zeigtesich hinter den Laufgräben und Batterien, kein Pfeil, keine Musketenkugel,keine Granate fanden ihren Weg zu den Vertheidigern. Das ganze Volkaus der Stadt und der größte Theil der Besatzung trat auf die Wälle undsah von dort aus dem gewaltigen Schauspiel der Beschießung zu. Diesenahm inzwischen ungestört ihren Fortgang. Da sich aber kein Lüftchen rührte,so lagerte bald ein starker Pulverdampf auf der Meeresfläche, hüllte dieSchiffe in einen dichten Schleier und machte ihnen das Zielen fast unmög-lich. Trotzdem wurde keine Pause gemacht, sondern, nachdem man Richtungund Höhe ungefähr ermittelt hatte, aufs Gerathewohl weitergefeuert. Gegen10 Uhr ertönte plötzlich in der Linie der Französischen Schiffe ein furchtbarerKrach, und eins von ihnen flog in die Luft. Es war das HochbordschiffTherose, Kapitän d'Ectot, das mit 58 Geschützen und 293 Mann durch eineExplosion der Pulverkammer gänzlich zertrümmert wurde. Da zu dieser Zeitdie Türkischen Geschütze vollkommen schwiegen, so kann keine feindliche Kugelsondern nur eigene Unvorsichtigkeit die Veranlassung zu dem Unglück gegebenhaben. Der Rumpf des Schiffes sank sofort, von der ganzen Besatzungkonnten nur sieben Mann noch lebend aus dem Wasser aufgefischt werden,alle Anderen, auch der Kapitän, kamen um.^)
Die nmherfliegenden Trümmer des Schiffes hatten auch auf verschiedenenanderen Fahrzeugen und namentlich auf der dicht daneben liegenden GaleereVivonnes großen Schaden angerichtet. Der Admiral selbst wurde in denSchiffsraum zwischen die Rudersklaven hinabgeschleudert und erlitt leichteVerletzungen; von der übrigen Mannschaft war kaum einer unbeschädigt.Auch das Hintertheil der Galeere Vivonnes wurde zum Theil weggerissen,so daß das Schiff Wasser zu schöpfen begann. Der Admiral sah sich dahergenöthigt, den Generalissimus zu ersuchen, er möge den Befehl zum Ein-
Z Auf der Thersse befanden sich auch die gesummten Habseligkeiten des Herzogsvon Noailles, da er auf diesem Schiffe seine Ueberfahrt nach Candia gemacht hatte. Erverlor über 100 000 Francs an baarem Gelde, sein kostbares Silbergeschirr, sämmtlicheKleidungsstücke u. s. w. Auch die Kriegskasse des Französischen Heeres war bis vorKurzem auf der Thersse untergebracht gewesen, der vorsichtige Intendant de la Croixhatte sie aber noch am Tage vorher in die Festung schaffen lassen, so daß sie gerettetwurde. Die Türken mußten von den untergegangenen Schätzen Nachricht bekommenhaben, denn sie ließen in den folgenden Tagen mehrfach durch Taucher an der Stelle, wodie Thersse gesunken war, Bergungsversuche machen, wurden aber durch bewaffneteBarken der Venezianer vertrieben.