Druckschrift 
Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
Entstehung
Seite
180
Einzelbild herunterladen
 

180

10. Ereignisse bei Candia im Sommer 1669.

10. Ereignisse bei Candia im Sommer 1669.

Nach dem Eintreffen der verbündeten Galeerenflotte, der letzten größerenVerstärknng, die die Vertheidiger von Candia in der nächsten Zeit zu er-warten hatten, wurde die Frage brennend, was nunmehr zur Rettung derFestung unternommen werden könne, und insbesondere, in welcher Weise diebedeutenden Streitkräfte zur See auszunutzen seien. Bald nach der Ankunftder Päpstlichen Flotte erschien daher der Generalkapitän Morosini beiNospigliosi, um mit ihm eine vorläufige Verabredung zu treffen. Sie kamen

dahin überein, eine Versammlung aller christlichen Führer nach Candia auf

Sonntag den 7. Juli zu berufen, in der die nöthigen Beschlüsse gefaßtwerden sollten. Da sich aber der Herzog von Noailles krank meldete,so

wurde ein Aufschub bis zum 10. Juli nöthig. An diesem Tage blieb der

Maltesische Admiral Accarigi krank ans seinem Schiffe zurück; er hatte aberden Generalissimus mit seiner Vertretung betraut. Der Kriegsrath fand inder Wohnung Morosinis unter Vorsitz Rospigliosis statt, und es nahmendaran außer diesem, dem Generalkapitän und den Französischen FührernGeneral Noailles und Admiral Vivonne-* **) ) auch noch der General Montbrun,sowie der Venezianische General Battaglia theil.

Zwei Vorschläge wurden hierbei zur Berathung gestellt: 1. Es solltendie verbündeten Flotten alle verfügbaren Mannschaften ausschiffen, um mitihnen einen größeren Ausfall zu machen, oder 2. sämmtliche Galeeren undSegelschiffe die Türkischen Verschanzungen vor einem der beiden Endbastionebeschießen, und darauf die Garnison die hierdurch verursachte Verwirrung beiden Türken benutzen, um auszufallen.

Der erste Vorschlag fand wenig Anklang, dagegen versprach mau sichvon der Beschießung durch die Schiffe einigen Erfolg. Nur Nospigliosi machtegeltend, daß die Türken längst auf einen Angriff der christlichen Flotte vor-bereitet wären und ihre Verschanzungen in der Nähe des Meeres bereitsdementsprechend angelegt oder umgeändert hätten. Aus ganz ähnlichenGründen sei man schon im vorigen Jahre von dem Gedanken einer Be-schießung von den Schiffen aus wieder abgekommen. Auch diesmal könne dereinzige Schaden, der dem Feinde vielleicht zugefügt würde, in der Demonti-rung eines oder des anderen nicht genügend gedeckten Geschützes bestehen, die

*) Nospigliosi läßt in seinen Berichten durchblicken, daß die Erkrankung desHerzogs nur ein vorgeschobener Grund gewesen sei, um einen Beschluß überhaupt zuvereiteln und sich der Theilnahme an der Vertheidigung Candias zu entziehen, eineAnnahme, die allerdings in dem späteren Verhalten der Französischen Führer eine gewisseBestätigung findet.

**) Vivonne hatte nach dem Tode des Herzogs von Beaufort auch den Befehl überdie Hochbordschiffe übernommen. (Vergl. die Instruktion Ludwigs LIV. in Anlage 6.)