Druckschrift 
Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
Entstehung
Seite
179
Einzelbild herunterladen
 

9. Versammlung der Päpstlichen, Französischen und Maltesischen Galeerenflotten re. 179

fortan sämmtliche christlichen Streitkräfte bei Candia kämpfen sollten. Uebereine Woche wartete die Päpstlich-Maltesische Flotte in Messina auf dasErscheinen der Französischen Galeeren. Als diese aber auch am 15. Juninoch nicht gemeldet waren, und das bis dahin sehr stürmische Wetter sichplötzlich besserte, beschloß Rospigliosi den günstigen Umstand zu benutzen, undbrach nach Corfu und von dort am 22. Juni nach Zante auf.

Am Morgen des 27. Juni erschien hier endlich die FranzösischeGaleerenflotte. Sogleich erhoben sich wieder Streitigkeiten über die Art dergegenseitigen Begrüßung, da der Französische Admiral Ansprüche machte, dieihm die Anderen nicht gewähren wollten. Zuletzt gab Rospigliosi nach, wieer selbst in seinem Bericht nach Nom darüber sagt:um jede andere Rücksichtdem Dienste Gottes hintanzusetzen und schädliche Uneinigkeiten zu vermeiden".Am Abend des 27. Juni fuhr dann die verbündete Flotte, nunmehr32 Galeeren,*) 3 Galeotten und einige kleinere Fahrzeuge stark, von Zanteab. Die Fahrt ging längs der Westküste von Griechenland nach der Buchtvon S. Nicola auf der Insel Cerigo. Am 2. Juli erschien hier TaddeoMorosini mit sechs Venezianischen Schiffen und überbrachts Rospigliosi zweiBriefe des Generalkapitäns, worin dieser den Generalissimus unter Hinweisauf den trostlosen Zustand der Festung dringend ersuchte, seine Fahrt nachCandia soviel wie möglich zu beschleunigen.**)

Rospigliosi brach daher am 1. Juli Abends auf. Am frühen Morgendes folgenden Tages, als sich die Flotte in der Nähe des Kaps Spadabefand, kamen 16 Türkische Galeeren in Sicht. Sofort nahmen die christlichenSchiffe die Schlachtordnung ein und gingen dem Feind entgegen. Alleindieser ergriff die Flucht und zog sich in südöstlicher Richtung zurück. Nachvierstündigem scharfem Rudern mußte die christliche Flotte die Verfolgungaufgeben, da die Türken den schützenden Hafen von Canea erreichten. Siesetzte daher die Fahrt nach Candia fort und traf hier am Abend des 3. Juli ein.Während sie, in drei Geschwadern formirt, nahe der Stadt vorüberfuhr, erhieltsie von sämmtlichen Geschützen der Festung und der dort versammelten 48 Venezia-nischen und Französischen Kriegsschiffe einen dreifachen Königssalut. Ringsum die Stadt im Halbkreise sah man in der Ebene die Zelte der Türken undbemerkte deutlich das Geschütz- und Gewehrfeuer von den Wällen. Am Uferritt Türkische Reiterei hin und her, wahrscheinlich um eine etwaige Landungzu verhindern. Da die Rhede von Candia bereits ganz von Schissen besetztwar, gingen die Galeeren sogleich nach der Insel Stantia weiter, in derengeschützten Buchten sie einen sicheren Ankerplatz fanden.

*) Nämlich: 7 Päpstliche, 13 Französische, 7 Maltesische und 5 Venezianische, diesich in Zante angeschlossen hatten.

**) Auszüge aus diesen Briefen, die ein Bild der Lage Candias zu jener Zeitgeben, siehe Anlage 10.

5 *