8. Der Ausfall der Franzosen ain 25. Juni 1669.
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8. Der Ausfall der Franzosen am 26. Juni 1669.
Seit Beginn des Jahres 1669 hatten die Türken mit ihrem Angriffgegen Candia bedeutende Fortschritte gemacht. Bei San Andrea war nichtnur das Bastion selbst, sondern auch der dahinter erbaute Abschnitt (Nr. 41des Planes) durch den Angriff mit der Sappe in ihre Hände gefallen. Siestellten nun auf dem Wall des Abschnittes Geschütze auf und hielten von hierden ganzen westlichen Theil der Stadt unter Feuer. Zwar hatten die Ver-theidiger begonnen, weiter rückwärts einen neuen größeren Abschnitt (Nr. 42des Planes) zu errichten, allein er war noch sehr schwach im Profil undkonnte unmöglich lange Widerstand leisten. Wurde auch er genommen, somußte die Festung fallen, denn zum Bau eines dritten Abschnittes, für denein Entwurf allerdings schon aufgestellt war (Nr. 43 des Planes), fehltendie Kräfte.
Bei Sabionera hatte die Türkische Artillerie fast das ganze Bastionzerstört und in einen Trümmerhaufen verwandelt. Auch in dem dahinterangelegten Abschnitt (Nr. 8 des Planes) befand sich eine 30 Schritt breiteBresche: doch schienen die Türken hier noch keinen ernstlichen Sturm wagenzu wollen. Die Zahl der Vertheidiger in der Festung war äußerst gering,weil die Venezianer in der Hoffnung auf die Französische Hülfe mit demNachschub von Verstärkungen in der letzten Zeit sehr gespart hatten. Dienoch dienstbrauchbaren Mannschaften reichten kaum aus, um die wichtigstenPosten zu besetzen, die Zahl der Verwundeten und Kranken war dagegen un-verhältnißmäßig hoch.
Dieser wenig tröstliche Zustand der Festung ließ ein rasches Eingreifender Franzosen als dringend nothwendig erscheinen. Schon am 23. Juni,nachdem auch der Herzog von Beausort an Land gekommen war, fand daherbei dem Generalkapitän eine gemeinsame Berathung der Französischen undVenezianischen Führer statt, wobei sich der Herzog von Noailles erbot, mitseinen gesammten Truppen schon in den nächsten Tagen einen Ausfall zumachen. Obgleich sowohl Morosini wie auch Montbrun dringend riethen,damit zu warten, bis die Galeerenflotte und die ans ihr befindlichen Ver-stärkungen eingetrosien seien, hielt der Herzog doch an seinem Vorhaben fest.Er machte dafür geltend, daß der Erfolg der Unternehmung um so größersein müsse, je früher sie ausgeführt werde, weil sonst der Feind Zeit gewinne,sich dagegen zu schützen. Und in der That hatten die Türken bereits begonnen —offenbar in der Erwartung eines baldigen Ausfalls —, ihre Verschanznngenzu verstärken, sich namentlich auch nach der See hin gegen eine Beschießungdurch die christliche Flotte zu decken und ihre Reiterei, die für gewöhnlichauf der Insel zerstreut lag, bei Candia zu sammeln.
Da diese Gründe von fast allen Theilnehmern an der Berathung alsmaßgebend anerkannt wurden, so fügte sich Morosini der allgemeinen Ansicht.