Druckschrift 
Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
Entstehung
Seite
167
Einzelbild herunterladen
 

7. Kriegsvorbereitungen für das Jahr 1669.

16?

Staatssekretär in Rom am 18. Januar 1669 ein Schreiben, worin erbezüglich des Oberbefehls Folgendes in Anregung brachte:

Der König habe zur Führung der für Candia bestimmten Flotte denAdmiral von Frankreich, Herzog von Beaufort, einen nahen Verwandtendes Königlichen Hauses,*) in Aussicht genommen. Da nun nach demWunsche des Königs alle christlichen Hülsskräfte unter Päpstlicher Fahnefechten sollten, so würde der Herzog von Beaufort, falls einem Anderen derOberbefehl darüber anvertraut werde, sich mit Rücksicht auf seine hohe Stellungvielleicht nicht unterordnen können. Andererseits sei zu befürchten, wenn derHerzog selbst den Oberbefehl erhielte, daß dann die Spanier Schwierigkeitenmachten. Seine Majestät schlüge daher vor, den Französischen Kardinal, Herzogvon Vendome, mit der Führung der gesummten christlichen Streitkräfte zubetrauen, dem man vielleicht für diesen besonderen Zweck den Titel einesPäpstlichen Legaten verleihen könne.

Dieser etwas sonderbare Vorschlag, einen Geistlichen zum Führer vonHeer und Flotte zu machen, fand in Rom um so weniger günstige Auf-nahme, als Clemens IX. den Posten des Oberbefehlshabers wieder seinemeigenen Neffen, dem Admiral Rospigliosi, zugedacht hatte. Der Kardinal-Staatssekretär ließ daher dem Herzog von Lionne Folgendes sagen:Der

Papst habe sich zwar damit einverstanden erklärt, daß sämmtliche christlichenStreitkräfte dieses Jahr unter dem Banner der Kirche kämpften, er halte esaber nicht für vortheilhaft, sie von einem Franzosen befehligen zu lassen,gleichviel, ob Militär oder Kardinal, um Zwistigkeiten mit den Spaniern zuvermeiden. Er lasse aber dem Könige den Vorschlag machen, dem PäpstlichenAdmiral den Oberbefehl zu übertragen, zu welchem Zweck diesem der Papstden Titel einesGeneralissimus der heiligen Kirche" verleihen wolle. Nacheinigem Zögern ging Ludwig XIV. hierauf ein, aber unter der Bedingung,daß auch die Venetianischen Streitkräfte zu Wasser und zu Lande dem neuenGeneralissimus unterstellt und der Herzog von Beaufort im Falle einer Be-hinderung Rospigliosis mit dessen Vertretung betraut würde."

Da man sich sowohl in Venedig wie in Rom hiermit einverstanden er-klärte, so war die Frage bezüglich des Oberbefehls endlich erledigt, undVincenzo Rospigliosi, der noch vor Kurzem ein einfacher Ordensritter gewesenwar, erhielt das Kommando über die Streitkräfte der ganzen Christenheit inund bei Candia. Uebrigens erwiesen sich alle Befürchtungen wegen derWidersetzlichkeiten der Spanier später als gegenstandslos, weil diese überhauptgar nicht an dem Kriege theilnahmen.

Der Herzog von Beaufort, aus dem Hause Vendöme, geboren 1616, warmütterlicherseits ein Enkel Heinrichs IV. Er hatte eine sehr mangelhafte Erziehunggenossen und galt für unwissend, leidenschaftlich und roh. Dagegen war er Seemannmit Leib und Seels, hatte mehrfach Proben großer persönlicher Tapferkeit gegeben undbesaß infolgedessen allgemeine Beliebtheit bei seinen Untergebenen.