7. Kriegsvorbereitungen für das Jahr 1669.
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auch in diesem Jahre wieder eine möglichst starke Hülfsflotte unter seinemNeffen Rospigliosi in die Gewässer von Candia zu entsenden. Außerdemwandte er sich in eigenhändigen Briefen an fast sämmtliche christliche HerrscherEuropas und suchte sie zu einem kräftigen Eintreten zu Gunsten Venedigszu bestimmen. Seine größte Hoffnung setzte er dabei aus Spanien undFrankreich. Diese beiden Staaten waren ihm zum Dank verpflichtet, weildurch seine Bemühungen zwischen ihnen im Jahre 1668 der Frieden vonAachen, der den sogenannten Devolutionskrieg beendete, zu Stande gekommenwar. Diesen Umstand benutzte Clemens IX., um dringende Mahnungennach Paris und Madrid zu richten, man solle nicht zugeben, daß die Un-gläubigen über Candia, das letzte Bollwerk der Christenheit im Osten,triumphirten.
Spanien erklärte sich auch bereit, eine Hülfsflotte von 20 Schiffen zusenden, machte jedoch die Ausführung dieses Beschlusses von allerlei Vor-behalten abhängig, die ihren Hauptgrund in der Befürchtung hatten, Frank-reich werde die Abwesenheit der Spanischen Flotte benutzen, um das Land vonNeuem mit Krieg zu überziehen. Clemens IX. wandte sich daher nochmalsin einem persönlichen Schreiben an den König von Frankreich, trug diesemdie Befürchtungen Spaniens vor und forderte ihn auf, seine oft versicherteDankbarkeit dadurch zu beweisen, daß er eine für Spanien beruhigende Er-klärung abgebe und so rasch wie möglich der bedrängten Republik in Candiazu Hülfe komme.
Ludwig XI V. konnte sich dieser Aufforderung um so weniger entziehen,als der Vorwand des Krieges mit Spanien, mit dem er bisher seine Politikder Enthaltung gegenüber Candia begründet hatte, ihm ja jetzt genommenwar.*) Trotzdem schien es dem Könige auch jetzt noch unvortheilhaft, sichoffen auf die Seite der Gegner der Türkei zu stellen, weil er dadurch eineSchädigung des Französischen Handels in der Levante befürchtete. Er kamdaher auf den Gedanken, die Unterstützungen nicht in seinem eigenen Namenund unter der Flagge Frankreichs zu senden, sondern sie gewissermaßen demPapste leihweise zu überlassen, so daß sie dessen Feldzeichen führen sollten.Ueber diese Absichten sprach sich der Französische Minister des Auswärtigen,
*) Es traten übrigens auch noch zwei andere, mehr im Geheimen wirkende Um-stände hinzu, die den König günstig für das Unternehmen stimmten. Einnial nämlichwünschte er lebhaft, daß der Papst dein Herzog d'Nlbret, einem Verwandten seinesHauses, den Kardinalshut verleihe, wogegen sich Clemens H bisher immer gesträubthatte, weil der Herzog fiir einen argen Wüstling galt („nn xrslat xsräu äs ästles stäs äsdauobss"). Der Römische Hof wußte nun den Verhandlungen über diese An-gelegenheit sehr geschickt eine solche Wendung zu geben, daß die Gewährung des König-lichen Wunsches von der Unterstützung Venedigs abhängig gemacht wurde. Ferner be-günstigte Madame de Montespan, die einflußreiche Geliebte des Königs, das Unternehmennach Candia, weil sie ihren Bruder, den Grafen von Vivonne, zum Führer der dazu be-stimmten Galeerenflotte ernannt sehen wollte.