6. Die Belagerung von Candia im Jahre 1668.
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Die Bewaffnung der Kavaliere bestand nur in einem Paar Pistolen unddem schmalen Französischen Degen. Alle Schutzwasfen, sogar die Helme,hatten sie zu Hause gelassen, um bei dem Ueberklettern der Verschanzungennicht behindert zu sein. Dagegen führte jeder noch einen Diener mit sich,der ebenfalls zwei Pistolen und eine kurze Pike trug und seinem Herrn denRücken zu decken hatte. Die Zahl der Theilnehmer an dem Ausfall stiegdadurch einschließlich der 100 Venezianischen Grenadiere auf rund 1000 Mann.
Noch vor Tagesanbruch am 16. Dezember nahmen die drei Sturm-kolonnen Aufstellung im Graben des Bastions Sabionera, eine jede ungefährdemjenigen Türkischen Werke gegenüber, das sie angreifen sollte. Die ersteKolonne (Chamilly) stand am weitesten rechts, die zweite (Beau-Chevilliers)ganz in der Nähe des Meeres und die dritte (St. Marcel) zwischen denbeiden erstgenannten. Die Reserve hielt sich ebenfalls in der Nähe bereit.Eine gegen den Feind geschleuderte Granate sollte das Zeichen zum Angriffsein, für den man bis zum Hellwerden warten wollte. Allein den Türkenwar die Absicht des Ausfalles, von dem die Franzosen in der Stadt vielWesens gemacht hatten, verrathen worden, und kaum fing es an zu dämmern,so wurden die Stnrmkolonnen im Graben von einem überaus heftigen Ge-schütz- und Handgranatenfeuer der Türken überrascht und erlitten schnell nichtunbeträchtliche Verluste. Der Herzog von Feuillade sah sich daher genöthigt,das Zeichen zum Angriff frühzeitiger zu geben, als er beabsichtigt hatte.Kaum war dies aber geschehen, so brachen die Französischen Kavaliere miteiner Todesverachtung und ungestümen Tapferkeit hervor, die zur größtenBewunderung Hinreißen müßten, wenn sie nicht für einen so aussichtslosenZweck verschwendet worden wären. An der Spitze der Hauptkolonne schrittein Kapuzinermönch, ein Kruzifix in der erhobenen Rechten tragend, undfeuerte die Stürmenden mit begeisterten Worten zum Kampf gegen die Un-gläubigen an. Obschon die Türken den Angriff in ihren Laufgräben erwartetenund die Sturmkolonnen mit einem Hagel von Geschossen aller Art empfingen,gelang es den Franzosen doch, sich gleich im ersten Anlauf der vorderstenVerschanzungen zu bemächtigen und deren Besatzung niederzumachen. DerHerzog von Feuillade, der selbst nicht einmal den Degen entblößt hatte sondernden Angriff mit der Reitpeitsche in der Hand kommandirte, zog nun einen Theilder Reserven nach und vertheilte ihn auf die beiden Kolonnen der Mitte unddes rechten Flügels. Mit Hülfe dieser Verstärkungen wurde nunmehr derAngriff fortgesetzt, und es gelang in der Thal der glänzenden Tapferkeit derFranzösischen Kavaliere, auch noch die zweite Linie der Verschanzungen zunehmen und bis an die dritte vorzudringen. Hier aber brach sich ihr Un-gestüm an dem kräftigen Widerstand der Türken. Wie vorauszusehen war,vermochten sie der großen Uebermacht nicht Herr zu werden. Zwar hieltensie noch eine volle Stunde lang in den genommenen Stellungen unter demheftigsten Feuer aus, dann aber, als die Türken sich wieder gesammelt hattenund ihrerseits mit einem Angriff drohten, mußte der Herzog von Feuillade
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