Druckschrift 
Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
Entstehung
Seite
159
Einzelbild herunterladen
 

6. Die Belagerung von Candia im Jahre 1668.

159

Bataillon ein, darunter 63 Ordensritter.^) Anfang Dezember brachteTaddeo Morosini wiederum 1600 Venezianische Söldner, und bald darauflandeten 400 Mann, die der Herzog von Lothringen unter dem Grafend'Harcourt der Republik zu Hülfe sandte.

Schon gegen Ende November begannen die alljährlichen Winterregen undzwar in so großer Menge, daß der Fortgang der Arbeiten auf beiden Seitensehr darunter litt. Namentlich hatten die Türken viel von der Nässe aus-zustehen; ihre Laufgräben wurden überschwemmt und die Minengänge unterWasser gesetzt. Trotzdem gestattete der Großvezir in diesem Jahre nicht, daßin der Belagerung eine Pause eintrat, er suchte vielmehr die Anstrengungennoch zu erhöhen und namentlich die Wirkung seiner Artillerie zu steigern. Auchder Sultan ließ dem Heere sagen, nicht eher würde ihm Ruhe werden, alsbis es Candia genommen habe. So waren denn auch die Vertheidiger ge-zwungen, während des ganzen Winters auf den Wällen auszuharren undtäglich an der Ausbesserung der von den Türkischen Batterien und Minenzerstörten Werke zu arbeiten.

War im Sommer die große Hitze die Ursache vieler Krankheiten undLeiden in der Festung gewesen, so erzeugten nunmehr Feuchtigkeit und Kälteneue Nebel. Die Truppen, die zumeist im Freien lagern mußten und gegendie Unbilden der Witterung nicht hinreichenden Schutz besaßen, hatten starkenAbgang durch Krankheiten. Namentlich litten die Französischen KavaliereFeuillades, die an solche Anstrengungen wenig gewohnt waren. Viele vonihnen erkrankten und starben, andere fielen den bis in die Reservestellungreichenden Türkischen Geschossen zum Opfer. Dieser Zustand war aber durch-aus nicht nach dem Sinne der ehrgeizigen jungen Abenteurer. Gefahrenscheuten sie nicht, allein sich nach und nach von einem unsichtbaren Feindetödten zu lassen und dabei ruhig auszuharren, ohne eine glänzende Probeihrer Tapferkeit geben zu können, behagte ihnen wenig. Sie waren nachCandia gekommen, um von sich reden zu machen, sie hatten geglaubt, daß beiihrer Ankunft die Dinge in der Festung sofort ein anderes Aussehen ge-winnen würden, und nun blieb Alles beim Alten. Niemand kümmerte sichum sie mehr als um die anderen Truppen, ja man verwendete sie sogar inder Reserve, während gewöhnliche Söldner die Bresche besetzt hielten.

Dies verletzte ihren Stolz und ihre Eitelkeit auf das Empfindlichste.Die Mißstimmung unter ihnen nahm täglich zu, und sie verlangten endlichdringend, daß man ihnen Gelegenheit gäbe, etwas ihres Namens und StandesWürdiges zu thun. Der Herzog von Feuillade begab sich daher zu demGeneralkapitän und beantragte einen allgemeinen Ausfall, bei dem er mitseinen Truppen die Vorhut übernehmen wollte. Morosini aber hatte schonlängst alle Lust zu Ausfällen verloren. Namentlich dachte er nicht daran, sichmit der ganzen Garnison an einem solchen Unternehmen zu betheiligen, bei

*) Vergl. Seite 128.