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Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
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6. Die Belagerung von Candia im Jahre 1668.

legen, so daß der Abschnitt umgangen zu werden drohte. Bei Sabionera da-gegen verstand es Morosini, durch Anlage eines (Zane genannten) Kavaliershinter dem Bastion die Wirkung der artilleristischen Vertheidigung derartigzu heben, daß die den Hafen bestreichende feindliche Batterie für längere Zeitzum Schweigen gebracht wurde. Immerhin war der Feind Mitte Septembermit seinen Laufgräben schon bis auf 80 Schritt an den Wall des BastionsSabionera vorgedrungen.

Am 24. September ließ Morosini bei San Andrea einen Ausfall machen,um sich eines 30pfündigen Türkischen Geschützes, das den Belagerten vielenSchaden that, zu bemächtigen. Es gelang in der That, das Geschütz zuvernageln, allein zum Mitnehmen war es viel zu schwer. Beim Rückzugewurde der Venezianische General Francesco Battaglia, der den Titel einesDogen der Insel Candia geführt hatte, erschossen. Zwei Tage darauf machtendie Türken unter persönlicher Führung des Großvezirs einen Sturm auf dieBresche von San Andrea. Obwohl sie im ersten Anlauf die Krone desWalles erreichten, wurden sie doch nach zweistündigem harten Kampfe zumRückzug gezwungen und verloren dabei, namentlich durch das Flankenfeuervon dem Bastion Panegra und dem Ravelin San Spirito, fast 2000 Mann.

Anfang November traf bei der Insel Stantia endlich der Herzog vonFeuillade mit seinen 600 Französischen Edelleuten und Offizieren ein.*)Diese kriegslustige Schaar hatte sich am 20. September in Toulon eingeschifft,unterwegs Sardinien und Malta angelaufen und betrat am 3. November diebelagerte Festung. Am 6. hielt Morosini eine Parade über die Kavaliere ab, diein ihrer prächtigen Kleidung und stolzen Haltung einen glänzenden Eindruckmachten. Sie waren in vier Brigaden eingetheilt, die von dem Grafenv. St. Paul, dem Herzog v. Caderousse, dem Grafen v. Villemaur und demHerzog v. Chateau-Thierry befehligt wurden. Jeder Brigadechef hattemehrere Sousbrigadiers, je nach der Stärke der Brigade, unter sich, außer-dem zwei Adjutanten und einen Fähnrich.**)

Feuillade beanspruchte, daß man seiner Truppe den ehrenvollsten weilgefährlichsten Posten von San Andrea zur Bewachung übertrage, allein da-gegen erhoben dessen bisherige Vertheidiger, das Maltesische Bataillon unddie Deutschen Söldner, Widerspruch. Um Beider Wünsche gerecht zu werden,bestimmte Morosini, daß die Französischen Kavaliere als Reserve für dasBastion eine Stellung in der Nähe der Bresche einnehmen sollten, währenddiese selbst von ihren bisherigen Vertheidigern besetzt blieb. Am 8. Novemberbezog die 1. Brigade (St. Paul) den bezeichneten Posten und wurde nach24 Stunden von der 2. Brigade abgelöst. Dieser folgte wiederum am 10.Novemberdie 3. und so fort abwechselnd jeden Tag eine andere Brigade. Am 26. No-vember traf eine Verstärkung von mehreren hundert Mann für das Maltesische

*) Vergl. Seite 127 u. ff.

**) Genauere Ordre de Bataille siehe Anlage 4.