Druckschrift 
Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
Entstehung
Seite
157
Einzelbild herunterladen
 

6. Die Belagerung von Candia im Jahre 1668.

157

sich einzelner Werke des Feindes zu bemächtigen und sie zu zerstören, sokehrten die Türken meist mit verstärkten Kräften zurück, verjagten die Aus-gefallenen und stellten das Zerstörte wieder her.^)

Es würde zu weit führen, hier alle die mannigfachen Ereignisse desJahres 1668, Ausfälle, Angriffe, Minensprengungen rc. einzeln zu beschreiben,vielmehr sollen in dem Folgenden nur die wichtigsten Thatsachen hervorgehobenwerden.

Kurze Zeit nach dem Wiederbeginn der Belagerungsarbeiten im MonatJuni wurde der General-Proveditor Nani durch eine Musketenkugel am Kopfverwundet, und obwohl die Verletzung an sich nicht bedeutend war, starber doch am 22. Juli, weil der Brand hinzntrat. Einen Tag vor seinemTode trafen der Französische General St. Andr6-Montbrun**) und derVenezianer Catterino Cornaro mit 1500 Italienischen Söldnern, Geld undzahlreichem Kriegsmaterial ein. Cornaro übernahm an Stelle Nanis dasAmt des General-Proveditors, während Montbrun den Marchese Villa**^)als Kommandeur der Infanterie ablöste. Dem Einfluß und den Berichtendieser beiden Männer, welche die Festung in einem viel trostloseren Zustandfanden, als sie erwartet hatten,st) war es wesentlich zuzuschreiben, daß Moro-sini im August den Entschluß faßte, die Flotte nach Candia zu überführenund selbst das Kommando in der Stadt zu übernehmen.

Mit dem Eintritt des Generalkapitäns in die Festung kam Leben in dieVertheidigung. Auf der Südwestfront ließ er zunächst die noch vorhandenenBeschädigungen an den Werken Panegra, Bestem und Martinengo ausbessern,errichtete bei San Andrea einen Kavalier, der, mit zwei 50-Pfündern besetzt,den Türkischen Kavalier am Meeresuser slankirte, und sorgte dafür, daß hinterder Bresche des erwähnten Bastions ein starker kasemattirter Abschnitt gebautwurde, der das weitere Vordringen der Türken sehr erschwerte. Unglücklichfür die Vertheidigcr war dagegen der Umstand, daß sich das Terrain beiSan Andrea nach dem Innern der Stadt zu etwas senkte, wodurch den Be-lagerern, als sie sich nachher des Bastions selbst bemächtigten und hier ihreGeschütze ausstellen konnten, wiederum der Vortheil der Ueberhöhung zufiel.Außerdem gelang es den Türken, mit ihren Laufgräben längs des Meeres-ufers weiter vorzudringen und hinter dem Punkt, wo der Abschnitt an derSeeseite die Stadtmauer berührte, in diese eine 90 Schritt breite Bresche zu

*1 I. B. Scheither sagt darüber:Es seynd die Außfälle aber gar schlecht undunfruchtbar vor die Stadt abgelauffen, Massen die Außgefallenen mshrentheils mit Ver-lust und Schaden wiederumb zurückgetrieben worden, weil die Türcken in ihren ^pproebenso starck und wohl verwahret gewesen, daß nicht wol möglich zu ihnen zu kommen odersie gar daraub zu schlagen; wurde also, wann AuWlle auff sie aus der Stadt geschehen,ebenso viel verrichtet, als wenn man eine Maur mit dein Kopfs wolt umblauffen . . ."

Vergl. Seite 127.

***) Vergl. Seite 122.

Montbrun gestand, Alles, was er bisher in seinem sechzigjnhrigen Kriegerlebengesehen habe, sei nur ein Kinderspiel gegen das, was in Candia vorgehe.