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Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
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6. Die Belagerung von Candia im Jahre 1668.

dies insofern von keiner allzugroßen Bedeutung, als die Vertheidiger inzwischenhinter der Bresche einen starken, mit Graben versehenen Abschnitt errichtethatten, gegen den die bisherigen Breschbatterien wenig auszurichten ver-mochten. Dagegen gelang es den Türken, von einer Batterie, die vor-wärts des auf einem Vorsprung der Küste gelegenen Lazareths errichtet war,die Venezianischen Geschütze in der Batterie hinter dem Arsenal, von der ausdie Seeseite des Bastions flankirt wurde, zum Schweigen zu bringen unddas Hafenkastell auf der Mole stark zu beschädigen. Ueberhaupt erlangtensie auch auf dieser ganzen Angriffsfront binnen Kurzem die artilleristischeUeberlegenheit, weil ihnen das vor Sabionera ansteigende Gelände bei derAnlage ihrer Batterien den so sehr geschätzten Vortheil der Ueberhöhung ge-währte.

Es befanden sich vor Sabionera im Ganzen 26 Kanonen und 8 Mörserin 7 Batterien in Thätigkeit;- 8000 Mann standen zur Vertheidigung in denLaufgräben und Berschauzungen, 3000 Azags wurden bei den Erdarbeitenbeschäftigt. Um einem Ausfall der Belagerten wirksam begegnen zu können,waren außerdem in den Abhängen der felsigen Anhöhen, die sich östlich derFestung erhoben, eine große Anzahl höhlenartiger Schützenlöcher in mehrerenReihen übereinander eingehauen, von denen aus das Vorgelände fast bis zuden Festungswerken unter Musketenfeuer gehalten werden konnte.

Die Aufstellung der Türkischen Streitkräfte vor Candia war, soweit siesich aus den sehr mangelhaften Quellen ermitteln läßt, folgende: Ans demlinken Flügel, gegenüber dem Bastion San Andrea, stand der größte Theilder Türkischen Janitscharen-Regimenter unter dem Großvezir selber; in derMitte, vor den südlichen Bastionen lagerten die weniger zuverlässigen Aegyp-tischen und Syrischen Truppen unter Achmed Pascha, und auf dem rechtenFlügel, vor dem Bastion Sabionera, die Anatolischen Hülfsvölker unter KaraMustapha sowie einige Regimenter Janitscharen. Mau hatte also die bestenund tapfersten Truppen vor den beiden Endbastionen aufgestellt.

Die Türken hatten aus dem Umstande, daß sie bei mehreren allgemeinenStürmen mit schweren Verlusten zurückgeschlagen worden waren, die Lehregezogen, nur noch zu ganz bestimmten Zwecken mit der blanken Waffe anzu-greifen, z. B. zur Wegnahme einer Pallisadirung, einer Batterie re., sowiedann, wenn eine glückliche Minensprengung stattgefunden hatte, um derenmoralischen Eindruck auszunutzen. Hierbei bewiesen sie, namentlich im Hand-gemenge, große persönliche Tapferkeit. Ihre Todesverachtung und die Zähig-keit, womit sie mißglückte Versuche immer wieder erneuerten, machten sieüberhaupt zu sehr gefährlichen Gegnern. Von einer einmal begonnenen Unter-nehmung ließen sie selten ab, selbst wenn sie ihnen unverhältnißmäßige Opferkostete.

Auch die Belagerten hüteten sich vor größeren Ausfällen, bei denen siestets weit mehr Mannschaften verloren, als der gewöhnlich nur vorüber-gehende Erfolg rechtfertigte. Denn selbst wenn es ihnen auch zuweilen gelang,