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3. Ueberblick über das Seewesen der kriegführenden Staaten.
Jugend Venedigs znm Seedienst.*) Hier fühlte sie sich zu Hause, hierentfaltete sie eine Kühnheit und Thatkraft, die zur Bewunderung Hinreißen.Die viele Jahrhunderte währende Gewohnheit des Lebens auf und mit demMeere schuf ein Geschlecht von Seefahrern, das sich auf dem Wasser wieauf seinem ureigenen Elemente bewegte, und dem das Gefühl der Sicherheitund Beherrschung aller technischen Schwierigkeiten eine starke Initiative ver-lieh. Die Venezianische Flotte verdankt fast alle ihre zahlreichen Siege derrücksichtslosen Thatkraft, mit der sie stets zum Angriff vorging. Ihr Be-streben war immer darauf gerichtet, dem Gegner die Luvseite abzugewinnen,um sich die Vortheile der Offensive zu sichern. Gelang ihr dies, so stürztesie sich, sobald sie gefechtsbereit war, auf den Feind, gleichviel ob schwächeroder stärker als dieser, und zwar mit einem Ungestüm, dem Niemand zuwiderstehen vermochte. Mußten sich doch die Kapitäne der Galeassen sogareidlich verpflichten, es mit fünf feindlichen Schiffen zugleich aufzunehmen,und oft genug haben sie gegen solche Uebermacht siegreich bestanden.
Auch die Osmanische Kriegsflotte war aus Segel- und aus Ruder-schisfen zusammengesetzt, doch führte-sie im Verhältniß mehr Segler als dieVenezianische. Eine den Galeassen ähnliche Schiffsklasse hieß Maonen.Außerdem besaßen die Türken große Mengen kleinerer Schiffe für den Truppen-transport (Galeotten, Felukken, Brigantinen**), mit denen sie die zahlreichenkleinen Häfen des Aegäischen Meeres, die für die anderen Kriegsschiffe nichttief genug waren, anlausen konnten.
Obwohl die Türken auch auf dem Meere ihre kriegerische Tüchtigkeitnicht verleugneten, so waren sie doch keine besonderen Seeleute. Ihre Schiffewurden meist mit den zum Islam übergetretenen Griechischen Anwohnern derKüsten des Aegäischen Meeres bemannt und waren schwerer und unbehülflicherals die Venezianischen. Sie vermochten auch im Gefecht nicht so gewandtzu manövriren wie ihre Gegner, so daß diese häufig schon zum Angriff vor-brachen, bevor die Osmanische Flotte ganz zum Aufmarsch gekommen war.Die Türken scheuten daher den Kampf auf offener See, sie suchten meist dieLeeseite, hielten sich in der Vertheidigung und machten ein Gefecht gern inder Nähe eines Hafens ab, wo sie rasch Zuflucht fanden.
*) Der Venezianer eignete sich wenig zum Landsoldatcn und hielt es auch für unterseiner Würde, als Fußknecht zu dienen. Selbst der Adel setzte keine Ehre darin, Landtruppenzu befehligen, ja man betrachtete denjenigen, der sich bei den Söldnern beliebt zu machenwußte, nnt unverhohlenem Mißtrauen, weil man stets die Gefahr einer Diktatur fürchtete.
**) Galeotten waren den Galeeren ähnlich gebaut, aber von bedeutend kleinerenAbmessungen. Sie führten 30 bis 40 Ruder, die nur von einen: oder zwei Mann bewegtwurden, ein Segel und 2 bis 3 Geschütze auf dem Vordertheil. Man verwendete sieselten zum Gefecht auf offenem Meer, sondern meist zun: Schutze der Hafen und Küsten.
Felukken waren noch kleiner, hatten nur 6 bis 10 Ruder, einen Mast und 1 bis2 Geschütze.
Brigantinen (Briggs) wurden nur durch Segel bewegt, hatten zwei Masten und5 bis 10 Geschütze in den Flanken.