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Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
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3. Ueberblick. über das Seewesen der kriegführenden Staaten.

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Die Französische Kriegsmarine besaß ebenso wie die Venezianischebereits eine ruhmvolle Geschichte. Sie war indeß im 16. Jahrhundert argvernachlässigt worden und stand auch noch unter Heinrich IV. hinter deranderer Staaten zurück. Erst Richelieu verdankte sie es, daß sie im Anfangdes 17. Jahrhunderts auf einen der politischen Bedeutung Frankreichs ent-sprechenden Standpunkt gelangte. Der Kardinal-Minister ließ sich selbst vonLudwig XIII. unter dem TitelZrancl maistrs st surintsnäant äs 1anaviZatioii st äu sommsrss" die oberste Leitung aller Marincangelegenheitenund die Führung der Flotte übertragen, befahl den Bau zahlreicher neuerSchisse und gab der gesammten Kriegsmarine zum ersten Mal eine bestimmteOrganisation sowie eine feste Dienstvorschrift. Er hinterließ bei seinem Todeeine zahlreiche vortrefflich ausgerüstete Flotte, deren Bemannung in denKämpfen gegen die Hugenotten, England und Spanien geschult war. Währendder Minderjährigkeit Ludwigs XIV. wurde indeß die Entwickelung der See-streitkräfte Frankreichs wieder sehr vernachlässigt. Erst als der junge Königselbst zur Herrschaft gelangt war, nahmen sie, besonders durch die Bemühungendes Ministers Colbert, einen neuen glänzenden Aufschwung. Von 30 Fahr-zeugen im Jahre 1665 erhob sich die Französische Flotte 1672 auf 100 und1681 sogar auf 180 große Schiffe mit einer Besatzung von 70 000 Mann.Die Französischen Streitkräfte zur See zerfielen, der geographischen LageFrankreichs entsprechend, in zwei Abteilungen, die des Atlantischen Ozeansund die des Mittelmeeres. Die erste, deren Hauptstationen sich in demneu geschaffenen Kriegshafcn Rochefort und in Le Havre befanden, bestandfast ausschließlich aus Hochbordschiffen, da Galeeren zur Fahrt auf demWeltmeer wenig geeignet waren. Die andere setzte sich je zur Hälfte ausSegel- und Ruderschisfen zusammen; sie hatte ihre wichtigsten Stationen inMarseille und Toulon. Galeeren und Hochbordschiffe bildeten je eine besondereFlottendivision und operirten entsprechend der sehr verschiedenen Art ihrerSchifffahrt meist von einander getrennt, wenn auch zu gemeinsamem Zweck.Der Führer der Galeeren hieß»'«lnäral äss Zalsrss", der der Hochbord-schiffeamiral äss vaisssauxV Die Flotte deckte ihren Mannschaftsersatzaus der seegewohnten Küstenbevölkerung namentlich der Normandie und desLanguedoc. Die Offizierstellcn, wenigstens die höheren, waren ausschließlichdem Adel Vorbehalten und käuflich; auch vertheilte sie der König vielfach nachGunst und Willkür. Seemännische Kenntnisse waren daher unter dem Offizier-korps der Marine wenig verbreitet, man überließ vielmehr die eigentlicheFührung der Schisse gern den Lootsen und maitrss ä'äHuipaZs. Alleindie Französischen Seeoffiziere ersetzten den Mangel an technischer Schulungdurch kecken Wagcmuth und eine gewisse fröhliche Lust an Abenteuern undGefahren, Eigenschaften, die von besonderem Werth sein mußten in einer Zeit,in der wegen der geringen Beweglichkeit der Schiffe der Erfolg in der Schlachtweniger von dem geschickten Manövriren als vielmehr von der Tapferkeitund Ausdauer der Besatzung abhing.