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Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
Entstehung
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132 3^ Ueberblick über das Seewesen der kriegführenden Staaten.

noch ein vierter kleiner Mast erhob. Der Bord war 1,5 in hoch und dientezugleich als Brustwehr. Die Artillerieausrüstung der Hochbordschiffe waraußerordentlich stark. Sie führten Geschütze nicht nur im Vorder- und Hinter-kastell sondern auch in den Flanken, und zwar in mehreren Reihen überein-ander; die Zahl wechselte von 40 bis 100.

Was die Seetaktik der damaligen Zeit betrifft, so richtete sie sich nachder Zusammensetzung der Flotte. Bestand diese nur aus Galeeren, so er-folgte deren Aufstellung gewöhnlich in vier Geschwadern: Centrum, rechtem undlinkem Flügel und Reserve. Jedes Geschwader hatte einen eigenen Führer,der Oberbefehlshaber hielt sich gewöhnlich im Centrum auf. Rechter undlinker Flügel waren beide etwas vorgebogen, so daß die ganze Aufstellung dieForm eines Halbmondes bekam, dessen Hörner nach vorn zeigten. DieserAufstellung lag die Absicht zu Grunde, den Feind mit den Flügeln zu um-fassen, während Centrum und Reserve ihn von vorn angriffen. Einzelne be-sonders gutbemannte Schiffe, bei den Venezianern gewöhnlich die Galeassen,gingen dabei als Vorhut voraus.

Obwohl die Galeerenflotte vom Winde fast unabhängig war, suchte siedoch längeres Manövriren zu vermeiden, da die Nudermannschaft bald er-müdete und die Schiffe dadurch an ihrer Bewegungsfähigkeit sehr verloren.

Beim Kampfe selbst kehrten die Galeeren dem Gegner möglichst dasVordertheil zu, weil sie selbst ihm dadurch ein schmaleres Ziel boten und weilsie von hier aus die beste Schußwirkung hatten. Ihr eigenes Bestreben aberging dahin, die feindlichen Schiffe von der Seite zu fassen, sie durch Geschütz-feuer zum Untergehen zu bringen, oder ihnen den Sporn in den Rumpf zurennen. Gelang das, so wurde geentert und im Nahgefecht die Entscheidunggesucht.

Bestand die Flotte nur aus Segelschiffen, so versuchte sie zu manövrirenund dem Feinde eine Flanke abzugewinnen, um einen umfassenden Angriffausführen zu können. Hierzu war aber die halbmondförmige Aufstellung nichtgeeignet, man wählte vielmehr gern eine Art schiefer Schlachtordnung. Warder Wind hierfür nicht günstig, so suchte man sich dem Gegner in möglichstbreiter Schlachtlinie in Front zu nähern, um ihn zu überflügeln. Kleine undgroße Fahrzeuge wechselten dabei mit einander ab; zwischen ihnen blieb jedes-mal ein Abstand von drei bis vier Schiffslängen. Die Schiffe mußten dem Feindeim Gefecht die Seite zukehren, da sie von hier aus die beste Artilleriewirkunghatten. Bei völliger Windstille waren die Hochbordschiffe natürlich unbeweg-lich und konnten keine Schlacht liefern.

Kämpften nur Segelschiffe gegeneinander, so entschied gewöhnlich schonder Artilleriekampf. Selten gelang es den Gegnern, sich einander so weit zunähern, daß von Schiff zu Schiff geentert werden konnte. Zuweilen setzteman aber auch Boote mit Bewaffneten aus, fuhr mit diesen an das feind-liche Fahrzeug heran und suchte sich seiner durch Ersteigen zu bemächtigen.

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