1Z0 3. Ueberblick über das Seewesen der kriegführenden Staaten.
bleiben, ohne die Mannschaft zu ermüden, und waren vor Allem im Stande,sich auf die offene See hinauszuwagen, während die Ruderschiffe infolge ihrerflachen Bauart den Stürmen nicht zu widerstehen vermochten und sich daherstets in der Nähe der Küsten halten mußten, um jederzeit rasch einen Hafenanlaufen zu können.
Man unterschied dementsprechend auch in der Kriegsmarine zwei Haupt-klassen: die Galeeren (Italienisch: Zalsa oder Zalsra, Französisch: Zalsrs)mit der Abart der Galeassen, und die Segel- oder Hochbordschiffe (auch kurz-weg „Schiffe", Italienisch: rmvi, vasasUi, Französisch: vaisssaux genannt).
Die Galeeren hatten sich aus dem antiken Kriegsschiffe, dem flachenFünfzigruderer, entwickelt und führten auf jeder Seite je eine Reihe von25 Rudern. Ihre Länge betrug etwa 40 m, ihre Breite an der breitestenStelle, die nicht ganz in der Mitte sondern etwas nach vorne lag, 5,5 m,die Höhe vom Kiel bis zum Deck am Bug 3,0 m, am Hintersteven 3,5 w,in der Mitte sogar nur 2,5 m. Die so entstehende sehr geringe Bordhöhe warnöthig, weil sonst die Ruder zu lang hätten gemacht werden müssen, aber siebewirkte auch, daß die Schisse bei einigermaßen starkem Wellenschlag sich nichtauf die See hinauswagen durften.
Die Galeeren hatten nur ein Deck, auf dem die Ruderer auf Bänkensaßen, nur durch den Schifssbord und Zelttücher gegen Wellen und Wettergeschützt. Zwischen ihnen hindurch lief in der Richtung von vorn nach hintenein Mittelgang, der zur Verbindung des Vordertheils mit dem Hintertheildiente. Die Ruderbänke standen senkrecht zum Bord und enthielten sovielPlätze, als Ruderer für je ein Ruder gebraucht wurden. Es waren ge-wöhnlich fünf, die gemeinsam an einem schweren meist 50 Fuß langen Ruderarbeiteten. Dieses lag auf dem etwas über den eigentlichen Schiffsbord hinaus-ragenden Ruderbord im Gleichgewicht, um die Bewegung zu erleichtern. Zndiesem Zweck war das innere 13 Fuß lange Stück mit Blei ausgegossen, sodaß es ebensoviel wog, wie das äußere 37 Fuß lange. An dem innerenTheile des Ruders befanden sich soviel Handgriffe, als die Bank Genossenhatte. Der Führer einer solchen „Genossenschaft" (Italienisch: eiurma, Fran-zösisch: elliourms) saß am weitesten nach innen und hieß der VorruLerer (voZ-avarckö). Die Ruderbank war auch zugleich Wohnung und Schlafstätte derRuderer, weil sie meist mit Ketten daran gefesselt waren. Man nahm näm-lich zu der schweren Arbeit fast ausschließlich Sträflinge oder Sklaven,*) sehrselten fanden sich Freiwillige dazu. Ein volles Jahr war nöthig, um dieseLeute an die Anstrengung des Ruderns und des Lebens auf dein Schisse zugewöhnen. Ihre Verpflegung bestand aus Zwieback und Wasser, nur imHafen erhielten sie zuweilen Suppe, Fleisch dagegen nur an den vier höchstenFeiertagen. Trotz dieser Lebensweise erreichten viele ein hohes Alter, fallsnicht ansteckende Krankheiten, besonders die Pest, unter ihnen aufräumten.
*) Sklaven wurden alle Kriegsgefangenen, die man selbst machte oder ankaufte.