3. Ueberblick über das Seewesen der kriegführenden Staaten.
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von Candia vereinigen und während des ganzen Sommers gegen die Un-gläubigen kämpfen sollte. Zwar hatten auch schon in den vorausgehendenJahren zuweilen päpstliche Schiffe auf Seiten der Venezianer sich an denKämpfen zur See ruhmvoll betheiligt, doch war dies immer nur unregel-mäßig, vorübergehend und mit schwachen Kräften geschehen. Clemens IX.aber entschloß sich jetzt, eine für die damaligen Verhältnisse des Kirchenstaatesbedeutende Flotte von fünf großen Kriegsschiffen auszurüsten und sie unterdem Kommando seines Neffen, des Bailli des Malteser-Ordens VincenzoRospigliosi,*) der Republik Venedig zu Hülfe zu schicken. Ja, um dem ganzenUnternehmen noch mehr den Stempel eines Krenzznges aufzudrückcn, wurdeausgemacht, daß der Admiral des Papstes, als des Oberhauptes der Christen-heit, den Oberbefehl über die gesummten christlichen Streitkräfte zur Seeübernehmen sollte. Bevor wir deren Schicksale im Jahre 1668 schildern, istcs nöthig, eine kurze Darstellung des Seewesens der damaligen Zeit zu geben.
3, Ueberblick über das Seewesen der kriegführenden
Skaaken.
Im Seewesen des 17. Jahrhunderts hatte sich bereits die Umwandlungder Ruder- in Segelschifffahrt, die durch die großen Entdeckungen des 15.und 16. Jahrhunderts eingeleitet worden war, größtenteils vollzogen. Diehauptsächlich den Atlantischen Ozean befahrenden Völker: Engländer, Holländer,Deutsche, führten in ihren Kriegsflotten fast nur noch hochbordige Segelschiffevon starker Bauart, weil diese allein den Stürmen des Weltmeeres zu trotzenvermochten. Auch Franzosen, Spanier und Portugiesen bauten aus gleichenGründen wenigstens einen großen Theil ihrer Flotte als Segelschiffe. Dieverhältnißmäßige Ruhe und Heiterkeit des Mittelländischen Meeres, derBuchtenreichthum seiner vielgegliederten Küste, endlich die Menge verfügbarerSklavenhände gestattete dagegen den Völkern des Europäischen Südens, sichzur Fortbewegung der Kriegsschiffe auch noch der Ruder zu bedienen, was jagegenüber dem ausschließlichen Gebrauche des Segels den Vortheil einer ge-wissen Unabhängigkeit von Wind und Strömung gewährte. Doch hatten sichauch auf dem Mittelmeer die nur durch Segel bewegten Hochbordschiffe bereitsvielfach Geltung verschafft, namentlich für den Handel und Kriegstransporte.Sie erforderten geringere Besatzung, konnten beliebig lange Zeit in Fahrt
*) Rospigliosi stand damals noch in den dreißiger Jahren und hatte schon mehrfachin den Seekriegen der Malteser Proben seiner Tapferkeit gegeben. Doch berechtigten ihnaußer seiner nahen Verwandtschaft mit dem Papste keine besonderen Eigenschaften zu einerStellung, wie sie ihm hier verliehen wurde.
KricgSgeschichtliche Einzelschriften. V. (Heft 26.)
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