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Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
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2. Wiederbelebung des Krieges i»i Frühjahre 1667.

weil diesem der Ruf eines tüchtigen Führers vorausging, theils auch umdadurch den König zu ehren, an dessen Wohlwollen der Republik viel gelegenwar. Ludwig XIV. gab zwar seine Einwilligung, doch mußte Montbrunganz aus Französischen Diensten anstreten und Venedig den Eid derTreue leisten.

Derjenige Souverän jedoch, der sich am meisten der Noth des VenezianischenStaates annahm, war Papst Clemens IX.* *) Er hielt es seiner Würde alsOberhaupt der Christenheit für angemessen, die Sache der VertheidigungCandias zu seiner eigenen zu machen, und betrachtete den Kampf gegen dieTürken als einen heiligen Krieg für den christlichen Glauben. Im Frühjahr1668 richtete er daher nicht nur an alle christlichen Herrscher Europas Hand-schreiben, worin er auf das Dringendste um Unterstützung Venedigs in dembevorstehenden Feldzuge bat, sondern er that auch aus eigenen Kräften Alles,was er konnte, um der Republik zu helfen. Aus seinem Staatsschätze be-willigte er 50 000 Skudi, schenkte 100000 Pfund Pulver, sandte ein Ba-taillon von 500 Mann seiner eigenen Truppen und gestattete den Venezianerneine Werbung von weiteren 700 Mann im Kirchenstaat. Außerdem zog erdrei Mönchsorden ein, verkaufte deren Güter und überließ den Erlös vonüber einer Million Skudi der Republik. Ebenso gestattete er dem Senatvon Venedig den Verkauf von Gütern der Kirche des heiligen Markus imBetrage von 800 000 Skudi. Vor Allem aber rüstete er selbst eine Flotteaus, die sich mit der Venezianischen und Maltesischen**) in den Gewässern

Laufbahn hinter sich, war schon einmal in Venezianischen und in Schwedischen Dienstengewesen und im dreißigjährigen Kriege bis zum Schwedischen Generallieutenant auf-gestiegen. Nach dem Westfälischen Frieden kehrte er nach Frankreich zurück und trat dortin die Armee ein. Der Kardinal Mazarin bot ihm sogar den Marschallstab an, wenner seinen protestantischen Glauben, er war Hngenott, abschwören wolle. Als er dies ab-lehnte, fiel er in Ungnade, und man war am Französischen Hofe froh, ihn nunmehr aufgute Weise an die Venezianer loszuwerden. Im April 1668 erschien er mit einem glän-zenden Gefolge von Französischen Kavalieren und Offizieren vor dem Senat in Venedigund hielt eine zierliche Rede in Französischer Sprache, worin er dis Republik seiner Treueund Hingebung versicherte. Er hat dies Versprechen in der That gehalten und bei derVertheidigung von Candia mehrfach sein Leben eingesetzt. Nach Beendigung des Krieges >kehrte er in seine Heimath zurück, wo er 1673 starb.

*) Clemens IX. war im Jahre 1600 in Pistoja in Toscana geboren und stammteaus dem edlen Geschlecht der Rospigliosi. Als Kardinal war er elf Jahre lang Nuntiusin Madrid und darauf Gouverneur von Nom gewesen, bis ihn Alexander VII. zu seinemStaatssekretär machte. Nach dessen Tode wurde er am 20. Juni 1667 zum Papst ge-wählt, starb aber schon im Dezember 1669, wie es heißt, aus Gram über den FallCandias, den er nicht zu verhindern vermocht hatte. Er war ein Mann von wahrhaftchristlichem Glauben, rechtschaffen, gelehrt und von sanftem versöhnlichem Charakter, da-gegen hatte auch er sich von der damals herrschenden Nepotenbegünstigung nicht frei-zuhalten gewußt, indem er einen seiner Neffen zum Staatssekretär und den anderen zumFührer seiner Flotte ernannte.

**) Der Malteser-Orden stellte bereits seit Beginn des Krieges, zu dem er jaeigentlich die Veranlassung gegeben hatte, den Venezianern fast alljährlich mehrere Schiffe,die unter dem Kommando eines Admirals eine besondere Abtheilung der christlichen.Flotte bildeten.