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Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
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8. Wiederbelebung des Krieges im Frühjahre 1667.

den Graben zu reinigen und die zunächstliegenden Laufgräben und Minen derTürken zu zerstören. In der Zeit vom 22. Mai bis 10. November hattendie Verlheidiger 388 Minen gesprengt, 18 Gefechte unter der Erde bestandenund waren 17 mal ausgefallen. Die Angreifer sollen 230 Minen gesprengthaben und 32 mal Sturm gelaufen sein. Dementsprechend groß waren dieVerluste an Menschen, die sowohl Türken wie Venezianer im Sommer 1667erlitten. Bei den Venezianern waren es (nach Nani: Storia Venetiana)400 Offiziere und 3200 Soldaten; außerdem 73 männliche Einwohner derStadt und 2111 (?) Frauen und Kinder, die beim Zutragen von Erde undGeschossen geblieben waren. Die Türken sollen 20 000 Mann vor der Festunggelassen haben.

Diese Verluste zwangen auf beiden Seiten gebieterisch zur Herbeischaffungvon Verstärkungen für die Wiedereröffnung des Feldzuges im kommendenFrühjahr. In Venedig machte man die größten Anstrengungen, um frischeMannschaft anzuwerben und neues Kriegsmaterial bereit zu stellen. Wiederum,wie schon beim Beginn des Krieges, ergingen an alle christlichen MächteBitten um Unterstützung an Truppen und Geld, allein sie fielen nicht überallauf günstigen Boden. Die Wunden, die der dreißigjährige Krieg vielenStaaten Europas geschlagen hatte, waren noch zu neu und das gegenseitigeMißtrauen der Fürsten war zu groß, als daß man auf ein gemeinsamesEintreten für die fremde Sache hätte hoffen tonnen.

Im Deutschen Reich zeigten sich zunächst nur einzelne geistliche und anderekatholische Fürsten, die den Krieg als einen Kreuzzug gegen die Ungläubigenansahen, zur Hülfe bereit. Die Kurfürsten von Mainz und Köln stelltenje 400 Fußsoldaten, ebenso viel die Bischöfe von Straßburg und Paderborn. DerKurfürst von Bayern versprach sogar 2000 Mann, machte die Gestellungaber von allerlei Bedingungen abhängig, infolge deren die Absendung indiesem Jahre unterbliebt) Der zum Katholizismus übcrgetretene HerzogJohann Friedrich von Braunschweig-Lüneburg stellte drei Regimenter*) **)unter dem Generalmajor Grafen Josias von Waldeck, die aber erst Anfangdes Jahres 1669 in Candia eintrasen. Auch der Kaiser Leopold I. gestattete,daß in seinen Landen von den Venezianern geworben wurde, und versprach2000 Mann selbst zu stellen.***)

In Frankreich ließ sich Ludwig XIV. zwar nicht herbei, Truppentheileseines eigenen Heeres zur Hülfe zu senden, weil er es mit der Pfortenicht verderben wollte, allein er sandte 500 000 Livres und gab die Er-laubniß, aus seinen Regimentern Freiwillige anzuwerben, die in die Dienste

*) Sie fand aber im nächsten Jahre statt. Vergl. Seite 164. Schon 1665 hattenBayerische Truppen in Venezianischen Diensten in Candia gestanden, nämlich das RegimentNegron, fünf Kompagnien unter dem Oberstlieutenant Gieskoven.

**) Das Leib-Regiment und die Regimenter Molesson und Räßfeld.

***) Diese gingen aber erst so spät ab, daß sie in Venedig anlangten, als Candiaschon gefallen war.