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Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
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8. Wiederbelebung des Krieges rm Frühjahre 1667.

ganz und gar lebten. Dies hatte den großen Vorzug, daß die Truppen mitder Oertlichkeit und der Art ihrer Vertheidigung sehr vertraut wurden.

Die Anlage der Batterien erfolgte nicht nach bestimmten Grundsätzen.Da man den Rikoschet-Schuß noch nicht kannte,*) so war man bezüglich desOrtes der Batterien wenig beschränkt und erbaute sie einfach auf den höchst-gelegenen Punkten. Die Ueberhöhung über die Batterien des Gegners galtdabei als das Wesentliche, und namentlich die Türken legten ihr besondereBedeutung bei. Um diesen Vortheil zu erzielen, errichteten sie da, wo dasGelände ihnen keine solchen Punkte bot, Kavaliere, die sie mit Batterien vonaußerordentlich großer Geschützzahl besetzten.**)

Bei der mangelhaften Trefffähigkeit der Geschütze war es trotzdem schwer,die Artillerie des Vertheidigers zum Schweigen zu bringen. Der Angreiferkonnte, fortwährend mit Geschützen, Musketen und Handgranaten beschossen,nur sehr langsam vorrücken und verlor dabei unverhältnißmäßig viel Leute.Vor Allem aber war er nicht hinreichend vertraut mit der Kunst, vermittelstseiner Artillerie Bresche zu legen. Dies mußte vielmehr durch langwierigeMinirarbeit geschehen, die dem Vertheidiger Zeit ließ, Gegenminen zu bauenund innerhalb der Festung hinter den angegriffenen Fronten neue Abschnitteherzustellen.

Die Minen wurden gewöhnlich mit Pulver gesprengt, doch bedientensich die Türken auch zuweilen noch der Mittel, die schon im Altcrthum üblichwaren, indem sie den Grund der zu breschirenden Mauern untergruben, siemit Holz stützten und dieses anzündeten, so daß der Einsturz erfolgte.

Die Minensprengungen beschränkten sich übrigens nicht auf den Versuchzur Breschirung, sondern nahmen einen Umfang an, der ihnen den Charaktereines selbständigen unterirdischen Krieges verlieh. In der Zeit vom Früh-jahr 1667 bis zum Herbst 1669 wurden bei Candia allein 1364 Minen-sprengungen vorgenommen, und es wurde 40 Mal unter der Erde in denGalerien mit den Waffen gekämpft. Die Vertheidiger, die sich ebenso wiedie Türken im Minenkriege als besonders geschickt und thätig erwiesen, hieltensich in ihren zahlreichen Horchgängen auf, erlauschten unermüdlich die feind-lichen Mineure, arbeiteten ihnen rasch entgegen und suchten ihre Galerienabzuschneiden, durch Gegenminen zu zerstören oder mittelst hineingeleitetenWassers zu ersäufen. So oft ihnen dies auch gelang, immer wieder erneuertendie Türken ihre Versuche, sich dem Graben auf unterirdischem Wege zunähern. Man hat berechnet, daß bei diesen Arbeiten von beiden Seiten ein

*) Der Rikoschet-Schuß wurde zum ersten Mal im Jahre 1697 durch Vauban beider Belagerung von Ath angewendet.

**) Bei der Belagerung von Famagusta auf Cchpern (1S71) bauten die Türken nahean der Kontreskarpe einen Kavalier für 74 Kanonen; er überhöhte und bezwang denPlatz, aber von 40 000 bei der Anlage verwendeten Arbeitern gingen 18 000 zu Grunde.Auch bei Candia errichteten sie einen Kavalier, der zur Hälfte in das Meer hinein erbautwar und acht Monate Arbeitszeit erforderte.