2. Wiederbelebung des Krieges im Frühjahre 1667.
123
Venezianischen Söldner, ein Graf Sparr^) die Deutschen Hülfstruppen, derFranzose Vernede und der Deutsche Wertmüller die Artillerie, während fürdie Leitung der fortifikatorischen Vertheidignng eine ganze Reihe erprobterIngenieure, Venezianer und Fremde, zur Verfügung standen. General-proveditor der Stadt, ein Beamter, der in seiner Person die Stellung desobersten Civilbeamten und des militärischen Kommandanten vereinigte, warAntonio Barbaro, später Bernardo Nani.
Die Belagerungsknnst der Türken, die noch im Beginn des 17. Jahr-hunderts sehr unentwickelt gewesen war, hatte seitdem beträchtliche Fortschrittegemacht, ja sie zeigte sich sogar in mancher Hinsicht der des Abendlandesüberlegen. Die größten Geschütze der damaligen Zeit wurden in Constantinopelgegossen, und die Türken waren die ersten, die Parallelen, allerdings nochin unvollkommener Form, im Festungskriege bei der Belagerung vonCandia anwandten. Sie sind aber nicht die Erfinder dieses Angriffs-mittels gewesen, sondern ein Venezianer soll sie die Anlage der Parallelen,aus Haß gegen seine Vaterstadt, die ihn ungerecht behandelt hatte, gelehrthaben. Bis dahin hatten die Türken sich nämlich, um sich den feindlichenWerken zu nähern, mit einfachen, gradlinigen oder geschlängelten Approchenbegnügt, die nur wenig Schutz und Unterkunftsraum boten. Auch jetzt legtensie ihre Laufgräben nicht in besonders kunstgemäßer Weise an vielmehrziemlich willkürlich in krummen oder graden Linien, aber doch so, daß einzelneparallel mit der belagerten Front liefen, so daß Truppen darin gedeckt unter-gebracht werden konnten. Zur Verbindung dieser Parallelen dienten dieentweder senkrecht dazu oder im Zickzack geführten Approchen. Für jedesanzugreifende Werk wurde ein besonderes System von Parallelen erbaut, unddiese Systeme standen untereinander in Verbindung. Einen Schutz derFlanken durch Zurückbiegen der Flügel kannte man dagegen noch nicht. DieBreite der Laufgräben betrug 5 bis 6 Fuß, die Tiefe 6 bis 7 Fuß, dochkamen auch bedeutend größere Abmessungen vor.
Die Ausführung der Erdarbeiten geschah niemals durch die eigentlichenSchlachttruppen sondern durch besondere Schanzgräber (Azags), die nur indringenden Fällen auch zum Fechten verwandt wurden. Außerdem folgte demHeere gewöhnlich noch eine Menge Abenteurer und arbeitsloser Leute niederenStandes, die man ebenfalls gegen Bezahlung zu den Schanzarbeiten heranzog.Die Besetzung und Vertheidignng der Laufgräben erfolgte durch die Janit-scharen und sonstigen Fußtruppen, die stets in der einmal eingenommenenStellung blieben und sich darin vollkommen einrichteten. Sie legten zu ihremSchutze in den Grabenwänden Erdhöhlen an, in denen sie zu je sechs Mann
*) Graf Georg Friedrich Sparr, geboren 1625, gestorben 1676 in Wien.
Vauban hat die Parallelen dann vervollkommnet und sie zuerst 1673 vorMaastricht und in ihrer regelmäßigen Anordnung zu Dreien 1697 vor Ath angewendet.