118 1. Kurze Geschichte des Krieges um Candia bis zum Jahre 1667.
kommen, von wo er dem auf der Insel befindlichen Heere beträchtliche Ver-stärkungen zuführte.
Im Frühjahr 1655 unternahm Lazzaro Mocenigo die Blockade derDardanellen und lieferte hier im Juni der über 100 Segel starken TürkischenFlotte eine Schlacht, in der die Venezianer mit dem Verlust nur einer ein-zigen Galeere einen glänzenden Sieg erfochten, der dem Feinde 23 Schiffekostete.
Noch schlimmer erging es der Türkischen Flotte im Jahre 1656. Siewar diesmal 98 Schlachtschiffe stark und griff am 26. Juni den VenezianischenAdmiral Lorenzo Marcello in den Dardanellen an. Dieser selbst fiel zwarvon einer Kanonenkugel getroffen, allein sein Bruder Giovanni verheimlichteden Tod des Oberbefehlshabers, bis der Sieg zu Gunsten der Venezianerentschieden war. Nur 14 Türkische Schiffe konnten sich retten, 84 wurdenerobert, verbrannt oder versenkt. 10 000 Türken kamen um, 5000 fielen inGefangenschaft; die Venezianer dagegen verloren nur 300 Mann und 3 Schiffe.
Die Sieger bemächtigten sich darauf einer Reihe von Inseln im Archipel,und Marcellos Nachfolger, Lazzaro Mocenigo, plante schon einen Angriff aufKonstantinopel selbst. Allein dort hatte unterdessen an Stelle der bisherigenschwächlichen jeden Augenblick wechselnden Großvezire Mahomed Cöprili dasRuder des Staates ergriffen, ein Mann, der die Macht des OsmanischenReiches noch einmal mit starker Hand zusammenzufassen verstand.*)
Der neue Großvezir begriff, daß es sich vor Allein darum handele, dieMacht der Venezianer zur See zu brechen, um dann den Landkrieg aufCandia um so nachdrücklicher führen zu können. Er rüstete daher für dasJahr 1657 eine neue sehr starke Flotte ans und ließ die Küsten des Helles-
ponts mit einer Armee von 50 000 Mann besetzen, die jede Landung der
Venezianer dort verhindern und in einen etwaigen Kampf der Schiffe vom
Lande her mit Geschütz eingreifen sollte. Am 17. Juni 1657 rückte die
Türkische Flotte, 66 Kriegs- und 150 Transportschiffe stark, in der Meer-enge vor. Drei Tage dauerte die Schlacht, worin die Venezianer unterLazzaro Mocenigo ihren alten Kriegsruhm bewahrten. Sie würden sogareinen entscheidenden Sieg erfochten haben, wenn nicht am zweiten Tage einplötzlicher Sturm und die heftige Strömung die Kämpfer getrennt und dieFortsetzung der Schlacht verhindert hätte. Sobald sich aber der Sturm gelegthatte, ging Mocenigo am dritten Tage, obwohl viele seiner Schiffe weg-getrieben waren, von Neuem zum Angriff vor. Allein seine eigene Galeeregerieth in Brand, eine herabstürzende Segelstange erschlug ihn, und 'die
*) Mahomed Cöprili, von Geburt ein Albanese und ursprünglich Christ, hatte seinenGlauben abgeschworen und war Türkischer Soldat geworden. Cr zeichnete sich bald soaus, daß er, obwohl von niederer Herkunst, die höchsten Grade erstieg und dann zumStatthalter von Damaskus ernannt wurde. Von hier berief ihn -der Sultan 1656 alsGroßvezir an seinen Hof und legte die ganze Leitung der Staatsgeschäftc, der innerenund äußeren, in seine Hände.