1. Kurze Geschichte des Krieges um Candia bis zum Jahrs 1667.
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Jakopo da Riva folgte ihm aber nach, erreichte die feindliche Flotte in derBucht von Foya (nördlich Smyrna), schlug sie und zerstörte 15 Schiffe.Trotzdem konnte er es nicht verhindern, daß der Rest der Türkischen Schiffenach Canea entkam und dort wiederum zahlreiche Truppen und Kriegsvorräthean Land brachte. Dieser Umstand gewährte der Türkei die Möglichkeit, dieBelagerung von Candia, die bisher nur mit schwachen Kräften geführt wordenwar, nunmehr mit vollem Nachdruck fortzusetzen.
Im Jahre 1650 wurde die Türkische Flotte, die im Winter nach Kon-stantinopel zurückgekehrt war, abermals durch Riva in den Dardanellen fest-gehalten. Doch führten die Türken die Belagerung von Candia fort undmachten sogar Miene, auch die auf dem östlichsten Theil der Insel gelegeneFestung SittiL anzugreifen. Da den Venezianern nicht genug Landkräfte zurVerfügung standen, um auch hier eine nachdrückliche Vertheidigung zu führen,so sprengten sie die Werke von SittiL in die Luft und verlegten die dort be-findlichen Truppen nach Candia.
Im Frühjahr 1651 erzwang die Türkische Flotte die Durchfahrt durchdie Dardanellen, die nur von wenigen Venezianischen Schiffen beobachtetwaren. Der Nachfolger^) Rivas, Giorgio Mocenigo, ging ihr aber mit derHauptflotte entgegen und schlug sie am 10. Juli bei der Insel Paros der-artig, daß sie zwei Jahre lang nicht mehr auf offener See zu erscheinenwagte. Die folgenden Jahre, 1652 und 1653, vergingen daher ohne be-deutende Ereignisse zur See, während die Belagerung von Candia fortdauerte.Da aber auch hier die Türken nur schwache Kräfte nachschoben, so wurdensie bald gezwungen, sich auf eine bloße Beobachtung zu beschränken; ja siemußten sogar, um gegen Ausfälle besser gesichert zu sein, ihr eigenes Lagerso mit Befestigungen umgeben, daß daraus allmählich eine förmliche Gegen-festung, Neu-Candia genannt, entstand.
Währenddessen beherrschten die Venezianer den Archipel und beharrtenauf ihrem System, die Ausfahrt aus dem Hellespont zu sperren. GiuseppeDelfino befehligte im Frühjahr 1654 das zu diesem Zweck bestimmte Vene-zianische Geschwader von 26 Schiffen, als die Türkische Flotte, die wiederauf 75 Fahrzeuge gebracht war, den Durchbruch unternahm. Delfino ver-suchte sich mit aller Kraft ihnen entgegenzuwerfen, allein die an diesem Tagesehr heftige Strömung im Hellespont'^) trieb seine Schiffe in das offeneMeer hinaus, und so gelang es dem Kapudan-Pascha, nach Canea durchzu-
") Der häufige Wechsel der Generalknpitäue hatte seine Ursache darin, daß derVenezianische Senat ungern einen der Seinigen lange in dieser Stellung ließ, — ausFurcht, er könne zu mächtig werden.
**) Da das Schwarze Meer einen etwas höheren Wasserspiegel hat als das Mittel-ländische, so herrscht in den Straßen des Bosporus und der Dardanellen stets eineStrömung in das Aegüische Meer hinein, die bei heftigem Ost- und Nordwind so starkwird, daß Segel- und Ruderschisfe sie nicht zu überwinden vermögen.