1. Kurze Geschichte des Krieges um Candia bis zum Jahre 1667.
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als unbetheiligte Macht keine Ursache gehabt habe, den Maltesern seine Häfenzu verschließen, — die Türken legten die Thatsache als einen Beweis feind-seliger Gesinnung der Republik aus und überfielen mit einer Flotte von318 Kriegs- und Transportschiffen sowie einer Armee von 60 000 Mannohne vorherige Kriegserklärung im März 1645 die Insel Candia.*) Esgelang ihnen sehr bald, sich des platten Landes zu bemächtigen, denn derWiderstand der Einwohner war gering. Die Venezianer hatten die natür-lichen Reichthümer der Insel zwar ausgebeutet, aber sich um ihren Zustandwenig gekümmert. Das Volk auf dem Lande war arm und bedrückt voneinem übermüthigen aber trägen Adel, der seiner Pflicht der Landesvertheidigungin keiner Weise nachkam. Alle Befestigungen waren arg vernachlässigt,Truppen nur in geringer Zahl vorhanden. Die Türken hatten daher an-fangs leichtes Spiel. Schon nach kurzer Zeit fiel die wichtige aber zuschwach besetzte Festung Canea in ihre Hände, wodurch sie einen guten Hafenund festen Stützpunkt auf der Insel gewannen. Sodann begannen sie dieBelagerung der auf einer kleinen Insel gelegenen Festung Suda.
Das überraschte Venedig, wohl einsehend, daß es sich hier um eineLebensfrage handle, bot noch einmal alle seine Kräfte auf, um die alte Macht-stellung zu wahren. Zugleich rief es die christlichen Staaten um Hülfe anund erhielt auch vom Papst, von Toscana, von Malta und Spanien Unter-stützung au Schiffen und Truppen, von Frankreich an Geld.
In der Hoffnung, durch einen Angriff auf die im Türkischen Besitzbefindliche Halbinsel Morea den Feind zur Räumung von Candia zu ver-mögen, bemächtigten sich die Venezianer der Stadt Patras. Allein die Türkenließen sich dadurch nicht verleiten, die Belagerung von Suda aufzuheben.Der zum Generalkapitän**) ernannte Girolamo Morosini brachte jetzt zurSee Verstärkungen nach Suda, heftige Stürme verhinderten ihn aber, dieTürkische Flotte auzngreifen, die in der Bucht von Canea lag, und zwangenihn, vorzeitig die Heimathhäfen aufzusuchen. Den Türkischen Schissen gelanges daher, obwohl sie den Venezianischen nicht gewachsen waren, im Herbstunbehelligt nach Konstantinopel zurückzukehren, um dort zu überwintern.***)
Im Feldzuge des Jahres 1646 waren die Venezianer hauptsächlich daraufbedacht, die Fortschritte der Türken auf Candia zu hemmen. WährendGirolamo Morosini zu Lande Canea wiederzugewinnen suchte, sperrte seinVetter Tomasso Morosini zur See die Straße der Dardanellen, um dasAuslaufen der Türkischen Flotte von Konstantinopel in das Aegäische Meer
*) Siehe die Karte der Insel Candia.
**1 Generalkapitän (oapiitano Asnsrals) war der Titel des obersten Befehlshabersüber die Flotte nnd das Landheer der Venezianer.
***) Die Bauart und geringe Seetüchtigkeit der damaligen Kriegsschiffe erlaubte esihnen nicht, während des Winters, der im Mittelländischen Meer die Zeit der Stürmeist, die offene See zu halten. Sie suchten vielmehr alljährlich spätestens Ende Oktobereinen Hafen auf, wo sie meist bis zum Frühling des folgenden Jahres verblieben.
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