Druckschrift 
Der Kampf der 38. Infanterie-Brigade und des linken deutschen Flügels in der Schlacht bei Vionville - Mars la Tour am 16. August 1870
Entstehung
Seite
85
Einzelbild herunterladen
 

IV. Schlußbetrachtungen.

85

zollte dem Vorgehen der Brigade das höchste Lob und setzte hinzu, man habees für unmöglich gehalten, daß eine Truppe mit solchemcklau" Vorgehenkönne, wenn sie nicht eine starke Reserve hinter sich habe, seine Batterie habebereits Befehl zum Rückzug erhalten und würde ihn ausgeführt haben, wennwir nur noch wenige Minuten Stand gehalten hätten. In diesen Angabenspiegelt sich die Auffassung der Französischen Generale. Hauptmann v. Lieresschreibt:Ich lag verwundet auf dem südlichen Schluchtrande. Die Franzosenrückten bis 200 Schritte über diesen Rand vor und wiesen von dort denhcldenmüthigen Angriff der Garde-Dragoner ab. Dann verstummte das Feuer.Ein hoher Offizier mit seinem Stabe erschien in der Französischen Schützen-linie. Ein Generalstabsoffizier stieg vom Pferde, kniete neben mir nieder undfragte:Von wo werden die Truppen des Gros und die Reservenangreifen? Wie stark sind diese?" Aehnliche Fragen wurden dem ver-wundeten Lieutenant v. Hövel vorgelcgt.Als ich schwieg", schreibt dieserOffizier,bemerkte der Französische General, er wisse bereits Alles, wir seienvon der Armee des Kronprinzen, die von Nancy komme; über die StraßeMetzVerdun gehe er nicht vor, um nicht in eine von uns gelegte Falle zugerathcn."Die Franzosen waren", setzt Lieutenant v. Hövel hinzu,durchunseren Angriff entschieden eingeschüchtcrt, denn nur so ist es zu erklären, daßsie ihre starken, hinter der Bruviller Höhe stehenden Massen, die ich deutlichübersehen konnte, nicht vorschickten." Auch der in Gefangenschaft geratheneLieutenant Simmersbach wurde am 17. August von einem Adjutanten desGenerals Ladmirault auf dessen Geheiß befragt, wo gestern die PreußischenReserven gestanden hätten. Dabei fiel die Aeußerung:Sie wollen uns dochnicht glauben machen, daß Ihr Regiment uns mit solcher Gewalt angegriffenhätte, wenn es nicht ein Armeekorps hinter sich gehabt hätte." Der Angriffder Brigade Wedell ist also weder schlecht geführt, noch ein toll-kühner Versuch gewesen. Nahe daran, zu gelingen, hat er demGegner annähernd den gleichen Verlust beigebracht, als er selbstihn erlitt, vor Allem aber die Offensivkraft des Feindes völliggelähmt.

Alle Berichte lassen klar erkennen, wie General Ladmirault sich nichtvorzustellen vermag, daß ein so unaufhaltsam vorgeführter Angriff nur vonwenigen Bataillonen unternommen sein sollte. Er betrachtet deren Vorgehenals die Einleitung und bleibt unschlüssig südlich der Schlucht in der Befürchtungstehen, daß bald von Mars la Tour her der Hanptangriff mit stärkerenMassen erfolgen wird. Als nun die Garde-Dragoner aus dieser Richtung indie durcheinander gewürfelten Truppen eiubrechen, und sich die Höhen vonVille sur Aron mit der Preußischen Reiterei bedecken, da erscheint demFranzösischen Befehlshaber die Gefährdung seiner rechten Flanke so groß,daß er nicht allein von einer Fortsetzung des Angriffes absieht, sondern auchdie Division Cissey über die Schlucht zurückruft, um in der vortheilhafterenStellung auf den Höhen zwischen Greyore Ferme und St. Marcel das