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IV. Schlußbctrachümgen.
Der Feuerschein des brennenden Mars la Tour leuchtete durch das Dunkelder Nacht weithin bis zu dem Leichenfelde an der Schlucht, wo Hunderte vonVerwundeten, gequält von brennendem Durste, sehnsüchtig der Hülfe harrten.Opferwillig eilten Aerzte und Krankenträger vor, aber das Feuer FranzösischerPatrouillen, die das Gesichtsfeld südlich der Schlucht abstreiften, scheuchte sie zurück.Zu Ehren der Französischen Armee sei es gesagt, daß sie, abgesehen von den Aus-schreitungen einzelner Marodeure, unseren Verwundeten nach Möglichkeit Hülfebrachte und den Gefangenen eine rücksichtsvolle Behandlung zu Theil werden ließ.
Ernst und wehmüthig war die Stimmung in den Biwaks, wo die schwachenReste der Brigade Wedelt lagerten. Zwar waren Führer und Truppe sich bewußt,ihre Schuldigkeit gethan zu haben, und schauten gefaßt dem entgegen, was der kom-mende Tag bringen würde, aber die erschütternden Verluste und das Gefühl, eineNiederlage erlitten zu haben, lasteten schwer auf denGemüthern. Wie ganz andersvor wenigen Stunden! Da hatte der Wunsch, sich mit dem Feinde zu messen, dasBewußtsein, für König und Vaterland zu streiten, in den Herzen Aller dasheilige Feuer einer Begeisterung entfacht, das die vorausgegangcnen Mühsaleund die Beschwerden eines fast fünf Meilen langen Marsches in glühendemSonnenbrände vergessen ließ. In einem am 24. August 1870 geschriebenenBriefe des Lieutenants Pilger heißt es: „Mit enthüllten Fahnen, unter denKlängen des »Heil Dir im Siegerkranz« und »Ich bin ein Preuße« geht esklopfenden Herzens, voll Begeisterung und Vertrauen dem Feinde entgegen.Bon der linken Seite reitet Hauptmann v. Lieres heran, ertheilt Befehl überdie Marschrichtung und läßt den König leben. Wir stimmen kräftig ein. Ichbringe mit den Leuten unserem Hauptmann ein Hurrah, und dann geht esweiter." Der Gefechtsbericht der 19. Division sagt: „Alle Führer stimmendarin überein, daß ihre Leute nur von dem Drange beseelt, die sie beschießendenGeschütze zu nehmen, und nicht mehr zum Halten zu bringen gewesen wären."Hauptmann Schultze berichtet: „War durch die außerordentliche Marschleistungdes Tages, verbunden mit der dürftigen Verpflegung, bei den Mannschaftenvorher einige Abspannung zu bemerken gewesen, so war das beim Angriffeselbst spurlos verschwunden. Dieser wurde, so weit ich es sehen konnte, mit tadel-loser Genauigkeit und einer Frische und Elastizität wie bei einer Besichtigungauf dem Exerzirplatze ausgeführt." „Es war eine frohe und zuversichtlicheStimmung unter den Offizieren und der Mannschaft", schreibt der damalige2. Divisionsadjutant, Premierlicutenant v. Bernuth I., „noch heute entsinneich mich verschiedener Ausrufe, die davon Zeugniß gaben."
Der Angriff wurde von dem I. Bataillon des Regiments Nr. 16 ineinem Zuge bis dicht an den Gegner herangetragen, so daß das Linien-Regiment Nr. 43 und eine größere Zahl von Batterien wichen. Dies warein thatsächlicher Erfolg des Angriffes, wichtiger und bedeutender war abersein Ergebniß in seelischer Beziehung. Unmittelbar nach der Uebergabe vonMetz hatte Premierlieutenant v. Neröe eine Begegnung mit dem Offizier, derdie Mitrailleusen-Batterie der Division Grenier kommandirt hatte. Dieser